Musik / CD

Richard Ashcroft: Natural RebelRichard und seine Gitarre

Dem Sender Radio X erklärte Richard Ashcroft kürzlich, warum er der einzige richtige Support Act für Oasis sei. Er verglich sich mit einer Art Artillerie, die in dieser Situation mindestens benötigt werde, und fügte an, dass er einer der wenigen Musiker sei, die solchen Momenten auch standhalten können. Wenn 50.000 besoffene Briten vor ihm stehen, blüht der ehemalige Verve-Frontmann erst richtig auf. Im weiteren Verlauf des Interviews erklärte Ashcroft, Künstler müssten aufhören, politische Reden zu halten und sich darauf konzentrieren, ihr Publikum zu unterhalten. Dieser Tage erscheint das fünfte Solo-Album des 47-jährigen Briten. Ist es ein Artillerie-Geschwader starker Songs, einer unpolitischer als der andere?

Ashcroft ist noch ein paar Jahre jünger als seine musikalischen Zeitgenossen Noel Gallagher, Damon Albarn und Thom Yorke, und schon der Sound von The Verve war sich nie zu schade für Experimente. Nachdem sein letztes Solo-Release "These People" sogar mit einer House-Nummer begann, ist "Natural Rebel" aber eher eine Rückkehr zur gitarrengetragenen Hymne, die in teilweise sehr aufwendig arrangierten Varianten durchgespielt wird. Nicht umsonst hält er sein Lieblingsinstrument auf dem Cover wie einen Pokal in die Luft.

Politisch ist hier tatsächlich nichts. Das liegt aber vor allem daran, dass Ashcrofts Songwriting sehr zeitlos ist. Es geht um universelle Themen wie Liebe und Schmerz. Der Viervierteltakt zieht sich ab dem Opener "All My Dreams", der vermutlich seiner Lebenspartnerin Kate Radley gewidmet ist, verlässlich wie ein Uhrwerk durch die zehn Songs, während Ashcroft seine Lieblingsstile von Blues bis Southern Rock durchexerziert.

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"Born To Be Strangers" beginnt zwar mit einem programmierten Beat, wird aber mit dem ersten Gitarrenschlag zu einer breitbeinigen Hardrock-Nummer, und die Drums sind wieder nur Gerüst. Es geht hier um Richard und seine Gitarre. Und gerade, wenn man nach "Streets Of Amsterdam" die offenen Akkorde auf der Akustischen langsam leid wird, endet er mit der flottesten Nummer des Albums: "Money Money" könnte auch ein Rolling-Stones-Klassiker aus den frühen 70ern sein.

"Natural Rebel" klingt mehr nach Natur als nach Rebellion und ist kein kreativer Befreiungsschlag für Britpop-Legenden in der Post-Britpop-Ära. Das eingängige Songwriting rettet Richard und seine Gitarre aber ins Jahr 2018. Der Maestro hat hörbar Spaß, und das ist ansteckend.

Mathis Raabe

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelNatural Rebel
Bandname/InterpretRichard Ashcroft
GenreBritpop
Erhältlich ab19.10.2018
LabelBMG
VertriebWarner Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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