Musik / CD

Ghost: PrequelleDie Geister, die ich rief

Die Idee ist alles andere als neu: Mit einer Maske und komplett künstlicher Bühnenidentität lässt es sich prima quer durch die Musiklandschaft wildern, und gleichzeitig vermeidet man, dass die eigene Persönlichkeit in die Schusslinie gerät. Oft geht es dann nicht primär um Songs, sondern um Kunstfiguren und Konzepte, also um einen Unterhaltungsrundumschlag und interdisziplinäre Kreativität. Was Kiss, Alice Cooper, Marilyn Manson und Slipknot auf ihre Art vormachten, gehört auch zur Heavy-Metal-Formation Ghost, die ihre Show mit beispielloser Schlüssigkeit durchzieht. Mit dem neuen Album "Prequelle" können sich die Schweden endgültig in eine Liga mit den genannten Größen einordnen.

Die Schweden oder der Schwede? Im vergangenen Jahr sah sich Tobias Forge aufgrund eines Rechtsstreits dazu gezwungen, seine Identität als Macher hinter Ghost preiszugeben. Also doch eher spukendes Soloprojekt denn namenloses Maskenkollektiv? Halb so wichtig. Forge jedenfalls ist der Frontmann, verkaufte sich lange als "Papa Emeritus" und neuerdings mit neuem Outfit als "Cardinal Copia". Ihm zur Seite stehen "Nameless Ghouls", gemeinsam geben sie sich als sakrale Persönlichkeiten, eingehüllt in okkulten Nebel.

Begeistern können die Geister allerdings erst, wenn ihr Dasein klangliche Gestalt annimmt: Diese ist auf "Prequelle" stärker noch als zuvor von einer unverschämten "Ich mach, was mir gefällt"-Haltung geprägt. Wobei der Blick oft auch in die Vergangenheit gerichtet ist: in die Zeiten, als Pop- und Rocksongs noch kleine Kunstwerke waren. Der lockere "Thriller"-Querverweis im Video zur Vorabsingle "Rats" ist kaum zu übersehen. Dazu tanzen allerorts 70er-Anleihen, Popmelodien der alten Schule oder grandios eingeflochtene AOR-Harmonien freudig um den Altar.

mehr Bilder

Das vierte Studioalbum von Forge und seinen namenlosen Gefolgsleuten knüpft an das 2015 erschienene Erfolgswerk "Meliora" an, in dessen Fahrwasser Ghost unter anderem einen Grammy für die "beste Metal Performance" einheimsten. "Prequelle" ist nun noch mutiger, noch "cheesiger" ("Danse Macabre") und noch trickreicher.

"Faith" erinnert an frühere Werke, das ungewöhnliche Instrumental "Miasma" zwingt einen auf den letzten Metern mit einem aufgestachelten Saxophon-Solo in die Knie. "Life Eternal" stellt balladesk die Frage nach dem (Un-)Sinn eines ewigen Lebens, und mit "Pro Memoria" krönt ein dem überragenden Ghost-Hit "He Is" (2015) nicht unähnlicher Ohrwurm das Werk. Der Text des Refrains: "Don't you forget about dying. Don't you forget about your friend death. Don't you forget that you will die." Dass man trotz so morbider Zeilen mitsingen möchte und gutgelaunt entlassen wird, ist auch eine der besonderen Qualitäten von Ghost.

Alexander Diehl

Audio CD
BewertungMeisterwerk
CD-TitelPrequelle
Bandname/InterpretGhost
GenreHeavy Metal
Erhältlich ab01.06.2018
LabelSpinefarm Records
VertriebUniversal
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


Versenden Drucken

Weitere Artikel



Michael Patrick Kelly - Et Voil?

CD-Archiv

CD-Archiv

Suche in der Radio Leverkusen - CD-Datenbank nach Interpreten und/oder CD-Titeln.

Ticketshop

Sicher Dir im Radio Leverkusen Ticketshop die Tickets Deiner Wunschveranstaltung!

Anzeige
Zur Startseite