Musik / CD

Schwesta Ewa: AywaEin bisschen zu "real"

Zuhälterei ist in Deutschland eine Straftat, wenn der Tatbestand der Ausbeutung hinzukommt. Das war die Annahme, als Schwesta Ewa Ende 2016 festgenommen wurde. Mehrere weibliche Fans sollte sie finanziell abhängig gemacht und zur Prostitution gezwungen haben. Diese Anklage wurde fallengelassen. Hinter Gitter muss sie trotzdem: Steuerhinterziehung, sexuelle Verführung Minderjähriger und 35-fache (!) Körperverletzung sind jetzt der Grund. Die im deutschen Straßenrap oft krankhaft geforderte Authentizität überschritt bei Ewa eine Grenze. Im Gegensatz zu dem Goldraub, für den ihr Labelchef Xatar saß, sind ihre Verbrechen nicht zu romantisieren. Ein Versuch, das in vorübergehender Freiheit entstandene Album "Aywa" auf Musikalisches abzuklopfen, geht deshalb nicht ohne bitteren Beigeschmack vonstatten.

Dabei gibt es Musikalisches zu besprechen. Stand das Label Alles oder Nix in der Vergangenheit für konservative Sample-Sounds, rappt Ewa nun auf Trap-Beats und experimentiert mit Autotune. "Separee" kommt mit neumodischem Stakkato-Flow daher und könnte in einem Strip-Club in Atlanta laufen, "Waywayway" klingt wie eine Produktion aus der Feder des US-Hitmakers Metro Boomin. Die letzten drei Tracks setzen überraschend auf Afrobeats-Rhythmik und Sommerfeeling und werden wohl die nächste Single stellen.

Ewa hat auch Spannendes zu erzählen. Von der gewaltbereiten alleinerziehenden Mutter, dem Geschäft mit ihrem Körper, das sie erstmals mit sechzehn einging, und dem Crack, das den Sex mit fremden Männern erleichtern sollte und dann in die Abhängigkeit führte. "Der einzige Weg aus dem Laufhaus war ein Mikrofon": Das Tellerwäscher-Millionär-Narrativ kann Ewa gut. Feinde mit selbstbewusster Attitüde verbal abwatschen kann sie auch gut, so gut sogar wie nur wenige im Deutschrap-Zirkus.

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Das Feindbild hat sich aber verschoben, statt konkurrierender Rapper sind die Judikative und die Polizei in den Fokus gerückt. "Schubs' den Bullen an die Wand, auf der Suche nach sei'm Schwanz / Fühl' ich mich wie die Staatsanwaltschaft, ich hab' nichts in der Hand", rappt sie auf "Schubse den Bullen". Dazu kommt immer wieder der Vorwurf, die Anwälte und Polizisten seien ja die selben, die bei ihr früher für möglichst jung aussehende Mädels gezahlt haben.

Die Frage nach der Glaubwürdigkeit ist vor allem in der ersten Hälfte von "Aywa" ein unangenehmer Begleiter. Die Veröffentlichung kurz vor zweieinhalb Jahren Gefängnis kann ein Dienst an den Fans sein, ist in diesem Fall aber ebenso Ewas Versuch, die Kontrolle über ihre Geschichte zurückzuerobern. Dass sie nun doch hinter Gitter geht, begründet sie auch: "Alles nur, weil zwei Bullinnen auf mich neidisch waren." Als Außenstehender ist das alles schwer zu bewerten. "Aywa" ohne ein unwohles Gefühl im Magen zu hören, ist aber genau so schwer.

Mathis Raabe

Audio CD
Bewertungakzeptabel
CD-TitelAywa
Bandname/InterpretSchwesta Ewa
Erhältlich ab01.06.2018
LabelAlles oder Nix Records
VertriebChapter ONE / Universal Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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