Musik / CD

Diverse: Sing meinen Song - Das Tauschkonzert - Vol.5Die Kuschel-Gewöhnung

Nach zwei bereits im Fernsehen ausgestrahlten Folgen mit Musik von Johannes Strate (Revolverheld) und Rea Garvey erscheint schon jetzt der Sampler zur fünften Staffel des TV-Formats "Sing meinen Song - Das Tauschkonzert". Für Freunde der erfolgreichen VOX-Musikshow eigentlich ein Spoiler, denn man tötet den Überraschungseffekt, wenn sich die Teilnehmer in den noch ausstehenden Folgen gegenseitig covern. Wie bei den Vorgänger-Staffeln lässt sich der Live-Moment der intimen Auftritte - ohne Bilder - nur bedingt einfangen. In diesem Jahr hat der Cast jedoch noch ein anderes Problem: latente Langeweile.

In den vergangenen Jahren lebte die Dynamik von "Sing meinen Song" - sowohl musikalisch wie auch zwischenmenschlich - von Dingen, die zuvor nicht zu erwarten waren. Von sperrigen Kommunikatoren wie Samy Deluxe oder Moses Pelham - und ihren Ideen. Auch von überraschenden künstlerischen Auftritten beispielsweise einer Lena Meyer-Landrut oder des Schweizer Musikers Seven. Neben Künstlern wie Rea Garvey oder Mark Forster, die in Sachen Medienpräsenz schon etwas abgenutzt sind, sollen diesmal die kluge Judith Holofernes, der stimmgewaltige Marian Gold, Posterboy Johannes Strate sowie die Außenseiterinnen Mary Roos (Schlager!) und Leslie Clio (unbekannt!) für eine entsprechende Dynamik sorgen. Doch irgendwie funktioniert das nicht.

Mary Roos ist so trutschig, wie man sich eine Schlagertante vorstellt. Leslie Clio, Marian Gold und Johannes Strate freuen sich zwar unbändig, dass sie Teil der promotionstarken Runde sein dürfen, kommen aber über Teambuilding- und Gemütlichkeits-Worthülsen nicht hinaus. Und die als sperriges Element eingekaufte Judith Holofernes? Selbst die praktizierende Buddhistin ist lediglich ein guter Gast, der den Kuschel-Flow der Sendung nicht stören will.

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Bleibt die Musik selbst: Hier sind vor allem die Songs der dritten Folge mit der Wir-sind-Helden-Songwriterin Judith Holofernes zu empfehlen: "Oder an die Freude" (Forster) oder "Denkmal" (Strate) sind tatsächlich beachtliche Interpretationen sehr guter Popsongs. Ebenso bereichert die sehr eigene, ebenso durchlässige wie kluge Lyrik von Holofernes die Interpretationen anderer Künstler: Ihr deutsches "Armour" von Rea Garvey ist tatsächlich fortgeschrittene Kunst mit Worten.

Marian Gold, der frühere Alphaville-Schönling, wirkt mittlerweile wie die deutsche Variante von Meat Loaf. Seine selbstentäußerten Vorträge haben etwas, wenn es auch immer ein wenig zu viel ist: Seine wuchtige Version von "Bring mich nach Hause" (Holofernes) oder der beeindruckende Blues-Torchsong "Game Changer" (Leslie Clio) bieten auf jeden Fall sehr viel mehr verrückte Energie, als man dem Mann in Sofaposition zutraut.

Auch Pop-Cleverle Mark Forster hat einige gute Cover zu bieten: Seine Interpretation von "Bow Before You" (Rea Garvey) wurde bereits mit der Konfettikanone für den besten Song des Abends belohnt - zu Recht. Ohne sichtbare Schlagergesten kommt Mary Roos auf der "Nurhör"-Version auch prima zur Geltung - fast besser als im TV: Ihre Cover von "Zu dir" (Forster) oder "Nur ein Wort" (Holofernes) atmen fast schon die Eleganz einer Blue-Eyed-Soul-Aufnahme der 60-er. Burt Bacharach hätte diese luftige Lässigkeit im Pop gefallen.

Eric Leimann

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelSing meinen Song - Das Tauschkonzert - Vol.5
Bandname/InterpretDiverse
GenreCover-Pop
Erhältlich ab11.05.2018
LabelMusic For Millions
VertriebTonpool
Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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