Musik / CD

Moby: Everything Was Beautiful, And Nothing HurtDie Apokalypse verschlafen

War es das jetzt? Immerhin ist alles karg. Moby spaziert durch eine Landschaft, in der brutalistische Bauten stehen, deren Fassaden bröckeln. Die Fenster wurden längst zertrümmert, womöglich von umherfliegenden Brocken eines eingeschlagenen Meteoriten. Alles ist grau im Video zum Song "Mere Anarchy", und die Synthesizer geben nur noch ein theatralisches Ächzen von sich. Das Ende! Oder eben der Anfang eines neuen Moby-Albums. Unzählige sind seit dem Debüt des veganen New Yorker Ex-Proto-Ravers entstanden, der genauso gut TripHop, Filmmusik und Hardcore kann. Drogen nimmt er nicht mehr, Horrortrips gibt es dafür noch immer in seiner Musik - auch auf "Everything Was Beautiful, And Nothing Hurt".

Wobei die Dämonen, von denen in den neuen Songs die Rede ist, dann gar nicht so dämonisch klingen. Moby hat sich mal wieder zerstückelter Electronica gewidmet. Viele Klänge hallen unendlich lange nach, so fühlt es sich an. Sich aufbauschende Soundscapes überlagern sich und klingen apokalyptisch, aber gleichzeitig beruhigen sie den Hörer.

Moby lässt sie aus den unzähligen analogen Klangerzeugern in seinem Studio entstehen, die heute kaum noch jemand bedienen kann, weil sich überall Produktionssoftware auf den Festplatten breitgemacht hat. Sich überlappende Stimmenfetzen von Gastsängerinnen erklingen dazu. So ähnlich ist eine solche Atmosphäre auch bei post-digitalen Sound-Designerinnen wie Holly Herndon zu hören, nur sind die Stimmen in Mobys Version geradliniger strukturiert. Dafür, dass es in der Welt überall drunter und drüber geht, klingt sein Album unheimlich aufgeräumt.

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Dann nuschelt er ins Mikrofon und man versteht kaum etwas, aber gleichzeitig versteht man alles. Moby flüstert einem ganz behutsam zu, dass es in unserer Welt beschissen und ungerecht zugeht. Eine schöne Indoktrination ist das, kein hysterischer Warnschrei. Doch Schreie, die hätte es gebraucht, um diesen Mensch-Maschinen-Sound etwas zu beleben. Stattdessen bleibt das einzig treibende Element eine Dancemusik-Reminiszenz, die nur darauf hoffen lässt, dass wirklich alles schnell vorbeigeht, so altbacken wirkt sie. Das Schnelle steht Moby nicht, die innere Ruhe dagegen schon, zumindest in seinen Produktionen. Wenn er jedoch mit brüchiger Stimme sprech-singt, dann wirkt das weder wild noch anrüchig, sondern vor allem unpassend.

Eigentlich war ja gerade die mit "Mere Anarchy" eingeläutete Apokalypse das Interessante an "Everything Was Beautiful, And Nothing Hurt". Das große Zerbersten und Zerbröckeln, vorgetragen aus dem Mund und den Maschinen Mobys, hätte ein spannender Trip werden können. "The Wild Darkness", wie ein weiterer Song heißt, hätte sich ebenfalls zu etwas entwickeln können, das aufhorchen lässt. Moby kreiert zwar wirklich Dunkelheit, die einlullt, nur wild ist die überhaupt nicht.

Johann Voigt

Audio CD
Bewertungakzeptabel
CD-TitelEverything Was Beautiful, And Nothing Hurt
Bandname/InterpretMoby
Erhältlich ab02.03.2018
LabelEmbassy of Music
VertriebWarner
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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