Musik / CD

Shame: Songs Of PraiseDie wütenden Kids aus Brixton

In London, genauer dem Stadtteil Brixton, gibt es nicht nur eine lebendige Musikszene mit einer entsprechenden Vielzahl an Veranstaltungsorten, sondern auch eine sehr aktive Hausbesetzer-Szene. Die ist vor allem der Punk-Kultur verbunden und weiß Konzertbühnen auch mal spontan ins Leben zu rufen. Aus eben dieser Szene stammen die fünf Jungmusiker von Shame, die mit ihrem Debüt "Songs Of Praise" schon jetzt ein erstes Punk-Highlight für 2018 geschaffen haben.

In ihrem Londoner Umfeld haben Shame sich einen Ruf als mitreißende Live-Band erarbeitet, der jede Note tiefe Kerben in die Körper zu furchen scheint. Sieht man Sänger Charlie Steen auf der Bühne agieren, denkt man an das apathische Gebaren von Joy-Division-Frontmann Ian Curtis zurück. Die Hosenträger und die Kippe in der Hand erinnern dagegen eher an die Post-Punk-Abenteuer von Howard Devoto (Buzzcocks).

Ganz so elegisch und trübselig kommt die Musik auf "Songs Of Praise" dann aber gar nicht daher. Das ungebremste Gezeter auf "Tasteless" klingt fast ein wenig nach den Sleaford Mods, und der Opener "Dust On Trail" dringt mit seinem treibenden, elektrisierenden Riff und fiependen Gitarren sogar in Hardrock- und Metal-Gefilde vor, während der gesangliche Dialog auf "Concrete" an den Americana Punk der Parquet Courts erinnert. Was aber das Wichtigste ist und die im Schnitt 19 Jahre jungen Shame-Mitglieder von vielen Vorbildern abgrenzt: Sie bringen eine gesunde jugendliche Wut mit. Vielleicht sind Shame sogar genau die Sorte Band, die der Punk braucht, um neben Dreampop und Retro-Rock wieder zu einem relevanten Gitarren-Genre zu werden.

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"My nails ain't manicured / My voice ain't the best you've heard / And you can choose to hate my words / But do I give a fuck?", fragt sich Steen auf "One Rizla". Man kann sich gut vorstellen, wie diese Zeilen entstanden, als die Band täglich direkt nach Schulschluss in eine raue Eckkneipe marschierte, um zu proben. Gleichzeitig mangelt es nie an Selbstreflexion oder dem nötigen Augenzwinkern. So überspringen Shame das Klischee schimpfender Londoner Arbeiterkinder, um sich als eine der spannendsten jungen Bands in der Metropole an der Themse zu präsentieren.

Sowohl aus musikalischer wie auch aus textlicher Sicht bleiben Shame immer interessant. Etwa in dem großartigen Song "The Lick", wenn plötzlich ein technikskeptischer Spoken-Words-Part auftaucht und Steen am Ende des Titels schreit: "I don't want to be heard if you're the only one listening / Bathe me in blood and call it a christening". So schaffen Shame ungemein intensive Songs, die aufwühlen und erregen, am Ende aber in die melancholische Stimmung der letzten Zigarette der Nacht unter einer Straßenlaterne entlassen. Man weiß oft nicht, ob man zu dieser Musik etwas zerschlagen oder weinen oder sich vielleicht sogar selbst verprügeln möchte, aber eines ist klar: "Songs Of Praise" ist im noch jungen Jahr ein erster heißer Kandidat für die Dauerrotation.

Mathis Raabe

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelSongs Of Praise
Bandname/InterpretShame
GenrePunk
Erhältlich ab12.01.2018
LabelDead Oceans
VertriebCargo
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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