Sobald es um Ehe und Familie geht, tun sich politisch und gesellschaftlich Gräben auf: Hierzulande sorgte zuletzt das Betreuungsgeld für Zündstoff, in Frankreich spaltet derzeit die Homo-Ehe die Gemüter. Während die Mehrheit der Franzosen François Hollandes Vorstoß der Gleichstellung von homosexuellen mit heterosexuellen Paaren zustimmt, machen die Gegner bei Demonstrationen lautstark mobil. Auch in Deutschland ist das Thema noch lange nicht vom Tisch: Eingetragene Lebenspartnerschaften sind zwar mittlerweile in vielen Bundesländern üblich. Denselben Stellenwert wie die traditionelle Ehe haben sie allerdings noch nicht.
Die aktuelle CDU/CSU-Regierung beruft sich nach wie vor auf den besonderen Schutz, dem Ehe und Familie gemäß Grundgesetz unterliegen. Das schließt die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit heterosexuellen Beziehungen zwangsläufig aus. Allerdings fordert die Antidiskriminierungsstelle des Bundes "die Öffnung der Ehe und somit eine völlige Gleichstellung von Lesben und Schwulen", wie sie auf ihrem Internetauftritt (www.antidiskriminierungsstelle.de) betont. Auch die Benachteiligung schwuler und lesbischer Paare bei der Adoption von Kindern ist der Einrichtung ein Dorn im Auge: Das Kindeswohl sei durch das Aufwachsen bei gleichgeschlechtlichen Eltern nachweislich nicht gefährdet.
Auch der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) setzt sich seit langem für die Akzeptanz der sogenannten Regenbogenfamilien ein. Diese entstehen momentan seltener durch Adoptionen - schwule und lesbische Singles dürfen durchaus Kinder adoptieren, nur Paaren ist es untersagt - sondern dadurch, dass gleichgeschlechtliche Menschen Kinder aus vorangegangenen heterosexuellen Beziehungen mit in die neue Partnerschaft bringen.
Auf seiner Website informiert der LSVD (lsvd.de) nicht nur über aktuelle Projekte zum Thema "Regenbogenfamilie", sondern präsentiert auch zahlreiche Studien, die sich mit dem Sujet auseinandersetzen. Die europäische Untersuchung "School is out?!" fand beispielsweise heraus, dass Kinder aus Regenbogenfamilien ihre Situation als völlig normal empfinden, allerdings häufiger Opfer von Mobbing werden. Sie selbst bringen die Attacken jedoch nicht mit der Andersartigkeit ihrer Lebensweise in Verbindung.
Für mehr Toleranz gegenüber alternativen Lebensformen kämpft auch der Verein "Family Faces" (www.family-faces.de). Sein Ziel: Ob Regenbogenfamilie, unverheiratete Paare ohne Kinderwunsch, passionierte Singles oder Patchworkfamilien - jeder sollte so leben dürfen, wie er es sich wünscht. Und dabei nicht vom Gesetz benachteiligt werden. Auf ihrer Website sammeln die Aktivisten Statements von Unterstützern, die der Bundesregierung übergeben werden sollen. Neben der Webcommunity engagieren sich auch Prominente wie Sky du Mont oder Tine Wittler.
"Wie und mit wem ein Mensch sein Leben verbringen möchte - ob mit einem Mann, einer Frau, mit oder ohne Partner, mit oder ohne Kindern -, ist seine eigene, persönliche Entscheidung und die Entscheidung jener Menschen, mit denen er sein Leben teilt", lässt Wittler in ihrem Beitrag wissen. "Und ganz gleich, wie diese Entscheidung letztendlich aussieht: Sie muss nicht nur ohne Wenn und Aber akzeptiert werden, sondern auch gleichberechtigt anderen Lebensformen gegenüber sein." Ob die Weichen hierfür auch politisch gestellt werden, wird sich nach der Bundestagswahl im September zeigen: Sollte die SPD die Regierung stellen, will sie ihrem Bekunden nach die steuerliche Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften mit heterosexuellen Ehepaaren vorantreiben.
Christina Freko






