Es müssen ja nicht gleich 50 bis 80 Kilometer sein, wie sie die Teilnehmer des Transeuropalaufs im aktuellen Kinodokumentarfilm "I Want To Run" täglich zurücklegen. Doch für viele Deutsche ist der regelmäßige Lauf durch Wald, Park oder Nachbarschaft zum festen Ritual geworden. Neben Laufschuhen und Sportklamotten zählt für Jogger mittlerweile auch das Smartphone zur Grundausstattung auf der Strecke - und zwar nicht nur wegen des Musikplayers: Laufapps helfen, beim Rennen den Überblick zu behalten, sich zu neuen Bestleistungen anzuspornen und Trainingserfolge unkompliziert zu dokumentieren. Die Unterschiede zwischen den Apps sind allerdings groß - sowohl im Preis als auch in Funktionsumfang und Datenschutz. Fünf Apps im Vergleich.
Auf der Suche nach der richtigen Laufapp gibt es an Runtastic kein Vorbeikommen: Die App ist nicht nur für Android- und Apple-Geräte verfügbar, auch Black-Berry- und Windows-Phone-Nutzer kommen auf ihre Kosten. Die Pro-Variante ist für 3,99 Euro erhältlich, für Ottonormaljogger wird die kostenlose Liteversion jedoch vollkommen ausreichen. Auf der Mainseite verrät die App standardmäßig die Dauer des Laufs, aktuelle Geschwindigkeit, Durchschnittsgeschwindigkeit und Kalorienverbrauch, auf Wunsch können die Bestandteile der übersichtlichen Anzeige jedoch auch einzeln ausgetauscht werden - zum Beispiel, wenn der Nutzer statt der Kalorienzählerei die Zahl der Höhenmeter interessanter findet. Mit einem Wisch nach rechts gelangt man zur Google-Maps-Ansicht, auf der dank GPS-Tracking die zurückgelegte Strecke nachgezeichnet wird. Ziele lassen sich festlegen, andere Sportarten auswählen und eigene Playlisten einbetten - was man da noch mehr will? Nutzerfreundlichere Datenschutzbestimmungen: Der Runtastic-User räumt den Machern der App laut AGBs uneingeschränktes Nutzungsrecht für die gesammelten Daten ein und darf deshalb damit rechnen, "dass er durch automatische Auswertung seines Nutzungsverhaltens etwaig mit auf ihn zugeschnittenen Angeboten und/ oder Werbebotschaften konfrontiert wird."
Sympathischer wirkt in dieser Hinsicht die Android-App Runstar, die gleich zu Beginn ausdrücklich darauf hinweist, dass die Userdaten ausschließlich intern genutzt werden, um Verbesserungen an der Anwendung vorzunehmen. Sie präsentiert sich in sehr aufgeräumten Design und liefert während des Laufs nur die wichtigsten Daten: Zeit, Distanz, Tempo. Eine Statistik des Laufmonats oder -jahres findet sich unter dem "Results"-Reiter, Ziele wie "Laufe 20 Kilometer im Mai" lassen sich unter "Goals" festlegen. Das Bedürfnis, die Gratisversion für 3,50 Euro zur Vollversion zu erweitern, um neben dem freien Training auch Optionen wie den Lauf gegen die Zeit oder über eine bestimmte Distanz freizuschalten, verschwand während des Feldversuchs allerdings nach Auswahl der Mapsansicht: Dass eine App, die auf GPS-Basis funktioniert, den Testlauf statt in München in Hannover ansiedelt, lässt ernste Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit aufkommen ...
Die kostenlose Adidas miCoach-App für Apple, Android und Black Berry hat zwar keine Probleme mit ihren GPS-Daten, dafür jedoch andere Mittel und Wege, neben der Fitness auch die Geduld des Läufers auf die Probe zu stellen. Zwar lässt sich der Anmeldeprozess mit einem Gastnutzerzugang umgehen, doch die langwierige Installation eines Sprachpakets vor der ersten Anwendung bremst den Jogger erst einmal aus. Danach erweist sie sich als absturzgefährdet. Einmal in Betrieb teilt eine Computerstimme auf Wunsch dann jedoch während des Tranings mit, wie lang, weit und kalorienintensiv man bisher gelaufen ist. Zum Drauflosrennen eignet sich ein freies Training am besten, ansonsten bietet die App auch verschiedenartige Workouts, denen ein paar erklärende Worte vorab allerdings nicht schaden könnten. In Sachen Datenschutzinformationen steht allerdings genau das da, was der User gern liest: Dass die erhobenen Daten ausschließlich verwendet werden, um das eigene Training zu verbessern.
Konkurrent Nike garantiert zwar ebenfalls, dass die Daten, die die 1,59 Euro teure Nike+GPS-iPhone-App erhebt, nur firmenintern genutzt werden, zwingt den Anwender jedoch zur Anmeldung über Nike-Account, Facebook oder Twitter. Und inwieweit Letztere dann auf die Laufergebnisse des Nutzers zurückgreifen können, steht auf einem anderen Blatt Papier. Ansonsten entpuppt sich die Nike-App als funktional gestaltet, für ihren Preis jedoch vergleichsweise optionenarm: Mit Zeit- und Streckenlauf und einer Wettrennfunktion stehen zwar die wichtigsten Laufarten zur Verfügung, eine ausführliche Nachbetrachtung spart sich die Anwendung jedoch. Dafür eignet sich Nike+GPS allerdings auch für Schlechtwettertraining: Selbst wenn die Trainingseinheit auf dem Laufband absolviert wird, ermittelt die App dank Beschleunigungsmesser im "Zu Hause"-Modus Tempo und zurückgelegte Distanz.
Ein Feature, das auch Runmeter für das iPhone anbietet - wobei auffällt, dass der Kilometerstand dort auch ohne Fortbewegung fröhlich in die Höhe schnellt. Läufer, die das nicht weiter stört, kommen für ihre 2,39 Euro voll auf ihre Kosten: Runmeter umfasst neben der Basisdatenanzeige im Punkt "Mehr" noch so viele Optionen, dass man sich vor dem Rennen erst einmal einen Überblick verschaffen sollte. Trainingsintervalle können bestimmt werden, Routen lassen sich anlegen, verschiedenste Diagramme erstellen und Trainingspläne vom Fünf-Kilometer-Lauf bis hin zum Marathon abrufen. Eine Anmeldung ist dafür nicht erforderlich, und Nutzerdaten werden laut den online abrufbaren AGBs nur innerhalb der App-Schmiede Abvio ausgewertet. Allerdings weisen die Programmierer explizit daraufhin, dass im Falle einer Firmenübername diese Daten dem Investor offenliegen - keine besorgniserregende, aber nicht ganz unwichtige Information angesichts des Start-up-Kaufrausches, indem sich etwa Facebook zuletzt befand. Eine eigene Laufapp würde dort noch gut ins Sortiment passen ...
Annekatrin Liebisch









