Zeiten ändern dich
Bernd Eichinger wirft den Prollotow-Cocktail

Zeit für Bushido, die Vergangenheit zu verarbeiten: Vom
fehlenden Schulabschluss und der häuslichen Gewalt über
die nächtlichen Graffiti-Streifzüge und die
alltägliche Drogendealerei bis hin zur verlorenen Liebe und
der fulminanten Rap-Karriere. "Zeiten ändern dich"
erzählt in Rückblenden die Entwicklung des Anis Mohamed
Youssef Ferchichi nach. Bushido selbst kommentiert das Geschehen
aus dem Off und klingt dabei wie ein Fünftklässler, der
Eichendorff vorliest.
Eichinger sorgte für eine Vielzahl an prominenten Namen auf
der Besetzungsliste: Katja Flint, Uwe Ochsenknecht und ein
unmotiviert wirkender Moritz Bleibtreu sind dabei. Elyas
M'Barek überzeugt als junger Bushido, und Hannelore
Elsner glänzt in der Rolle seiner Mutter. Doch sie alle
können dem schwachen Drehbuch kein Leben einhauchen. Und
ihnen allen gelingt es nicht, Bushidos fehlendes Schauspieltalent
zu kaschieren. Denn der Rapper bringt es nicht fertig, sich
selbst glaubhaft zu spielen. Nur wenn er vor der Kamera
ausrastet, wirkt er authentisch - ein Armutszeugnis.
Gebeutelt von flachen Dialogen und der Abszenz eines
Spannungsbogens klopft "Zeiten ändern dich"
müde sämtliche Stereotypen ab. Regisseur Uli Edel traut
sich nicht einmal zu provozieren: Bushidos Soundtrack entbehrt
der anstößigen oder gar indizierten Texte. Die
Ambivalenz des Berliners wird schlichtweg nivelliert, seine
Perzeption als Bad Boy des deutschen Raps bleibt
unbegründet.
Das aufwendige Biopic verspielt ohne mit der Wimper zu zucken
alle Chancen, die der Stoff bietet, und degradiert sich selbst
zum fahlen Eventkino. Von Bushido, dem Menschen hinter all den
Skandalen, transportiert "Zeiten ändern dich"
lediglich eine Ahnung, getrübt von aufgesetzten
Sprüchen und karakiert durch seine eigene Darbietung. Und
das Schlimmste daran: Eichingers Pseudodrama wird, darin ist
Bushido meisterhaft, aller Wahrscheinlichkeit nach trotzdem zum
Kassenknüller.


























