Kino

Zeiten ändern dich

Bernd Eichinger wirft den Prollotow-Cocktail

VergrößernDeutschlands einziger ernst zu nehmender Gangsterrapper schafft es mit "Zeiten ändern dich" auf die Leinwand: Bernd Eichinger inszeniert müdes Eventkino.
© 2009 Constantin Film Verleih GmbH
Bushidos Biografie ließ die Kassen klingeln. Deutschlands einziger echter Skandalrapper führte die Bestsellerlisten an - es war nur eine Frage der Zeit, bis die Filmstudios anklopfen würden. Für die Kinoumsetzung "Zeiten ändern dich" holte sich Produzent Bernd Eichinger ("Das Parfum") seinen ehemaligen Kommilitonen Uli Edel ins Boot, mit dem er bereits den "Baader Meinhof Komplex" auf die Leinwand brachte. Und er gab Bushido selbst die Hauptrolle - ein Fehler!

Es ist hart, das Leben eines Gangsterrappers. Keine Frage. Zumindest beteuert das Bushido - in jedem seiner Tracks, in seiner Biografie und nun eben auch im Kino. Als sich der von Skandalen gebeutelte Berliner im Goldrausch auf Deutschland-Tournee befindet, schreibt ihm sein Vater eine Postkarte.

Zeit für Bushido, die Vergangenheit zu verarbeiten: Vom fehlenden Schulabschluss und der häuslichen Gewalt über die nächtlichen Graffiti-Streifzüge und die alltägliche Drogendealerei bis hin zur verlorenen Liebe und der fulminanten Rap-Karriere. "Zeiten ändern dich" erzählt in Rückblenden die Entwicklung des Anis Mohamed Youssef Ferchichi nach. Bushido selbst kommentiert das Geschehen aus dem Off und klingt dabei wie ein Fünftklässler, der Eichendorff vorliest.

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Eichinger sorgte für eine Vielzahl an prominenten Namen auf der Besetzungsliste: Katja Flint, Uwe Ochsenknecht und ein unmotiviert wirkender Moritz Bleibtreu sind dabei. Elyas M'Barek überzeugt als junger Bushido, und Hannelore Elsner glänzt in der Rolle seiner Mutter. Doch sie alle können dem schwachen Drehbuch kein Leben einhauchen. Und ihnen allen gelingt es nicht, Bushidos fehlendes Schauspieltalent zu kaschieren. Denn der Rapper bringt es nicht fertig, sich selbst glaubhaft zu spielen. Nur wenn er vor der Kamera ausrastet, wirkt er authentisch - ein Armutszeugnis.

Gebeutelt von flachen Dialogen und der Abszenz eines Spannungsbogens klopft "Zeiten ändern dich" müde sämtliche Stereotypen ab. Regisseur Uli Edel traut sich nicht einmal zu provozieren: Bushidos Soundtrack entbehrt der anstößigen oder gar indizierten Texte. Die Ambivalenz des Berliners wird schlichtweg nivelliert, seine Perzeption als Bad Boy des deutschen Raps bleibt unbegründet.

Das aufwendige Biopic verspielt ohne mit der Wimper zu zucken alle Chancen, die der Stoff bietet, und degradiert sich selbst zum fahlen Eventkino. Von Bushido, dem Menschen hinter all den Skandalen, transportiert "Zeiten ändern dich" lediglich eine Ahnung, getrübt von aufgesetzten Sprüchen und karakiert durch seine eigene Darbietung. Und das Schlimmste daran: Eichingers Pseudodrama wird, darin ist Bushido meisterhaft, aller Wahrscheinlichkeit nach trotzdem zum Kassenknüller.

Gregor Jossé
Zeiten ändern dich
D, 2010
Drama
Regie: Uli Edel
Darsteller: Bushido, Elyas M'Barek, Moritz Bleibtreu u.a.
Starttermin: 04.02.2010
Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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