Kino / Portraits

Batmans Rückkehr

Michael Keaton spielt die Hauptrolle in "The Founder" (Start: 20. April)

Er versteht es, doch es behagt ihm nicht, wenn jemand von seinem "Comeback" spricht: Wirklich weg sei er ja nie gewesen, betont Michael Keaton in jedem Interview, in dem er mit diesem Wort konfrontiert wird. Es waren viele in den vergangenen Jahren. Denn seit seinen Hauptrollen in den oscarprämierten Dramen "Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)" und "Spotlight" ist der 65-Jährige so gefragt wie zuletzt vor fast 30 Jahren, als er den ersten Kino-Batman spielte. Und wie es aussieht, könnte dieser zweite Karrierefrühling von Dauer sein: Bevor er sich im Juli mit dem neuen Spider-Man anlegt, glänzt Keaton ab 20. April in "The Founder", einem Biopic über den Mann, der McDonald's zum Weltkonzern machte.

Es ist wohl die Beliebigkeit, die Michael Keaton an dem Wort Comeback stört. Denn für ihn war die Hauptrolle in "Birdman", die ihn 2014 zurück ins Rampenlicht katapultierte, ihm sogar seine erste Oscarnominierung einbrachte, kein Glückstreffer. Sondern das Ergebnis langer, zielgerichteter Arbeit: "Irgendwann macht man ein paar schlechte Filme und ist dann eine Weile nicht beliebt. Da ging es mir nicht anders als allen anderen. Ich nahm mir vor, einen Weg zu finden, der mich wieder dahin führen sollte, wo ich sein wollte", erklärte der Amerikaner 2015 dem "Parade"-Magazin. Er begann, sich seine Rollen sehr gezielt auszusuchen. "Eine kleine, prägnante Rolle hier, eine kleine, prägnante Rolle da, und die Leute meinten: 'Ich hatte ganz vergessen, dass er das kann.' 'Birdman' kam nicht aus dem Nichts."

Michael Keaton gehört nicht zu der Sorte Schauspieler, die von Selbstzweifeln zerfressen sind, die auf der Leinwand eine Aura der Verletzlichkeit umgibt. Er weiß genau, was er tut, was er kann, was er will. Das muss man wahrscheinlich, wenn man als das jüngste von sieben Kindern in einer irisch-katholischen Familie der unteren Mittelklasse aufwächst. "Wie Hinterwäldler" lebten sie auf einem heruntergekommenen Bauerngut in Pennsylvania, Geld für Kinobesuche war nie übrig, verriet Michael John Douglas, wie der Schauspieler gebürtig heißt, dem "Telegraph". Seine Liebe zum Film entdeckte er auf einem gebrauchten Schwarz-Weiß-Fernseher. Sie ließ ihn nie wieder los.

Nachdem er sein Studium der Theater- und Sprachwissenschaften aus finanziellen Gründen abgebrochen hatte, versuchte sich Keaton mit mäßigem Erfolg als Stand-Up-Comedian. Er arbeitete eine Zeitlang sogar als Kameramann, bis Ron Howard ihn 1982 in seiner Komödie "Nightshift - Das Leichenhaus flippt völlig aus" besetzte. Hollywood wurde aufmerksam auf den jungen Mann, der seinen Namen ändern musste, um nicht mit seinen Kollegen Mike Douglas und Michael Douglas verwechselt zu werden. "Soweit ich weiß, schlägt sich der eine ziemlich gut, und der andere dreht billige Erotikfilmchen wie 'Basic Instinct'", scherzte Keaton im britischen Fernsehen einst über seine Namensvettern.

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Spätestens 1988, als er sich brillant durch Tim Burtons "Beetlejuice" improvisierte, war der dritte, heimliche Michael Douglas dem Publikum dann auch ein Begriff. Zumindest Begriff genug, um eine Protestwelle auszulösen, als er ein Jahr später als "Batman" gecastet wurde: Comic-Fans fürchteten, der Komödiendarsteller würde eine Lachnummer aus dem dunklen Rächer machen. "Ich verstand ehrlich gesagt nicht, was das Problem war", erinnerte sich der Comic-Film-Pionier vor zwei Jahren im Interview mit "Collider" an die 50.000 Protestschreiben. "Aber es traf mich, dass die Leute so dachten."

Zumal Keaton selbst zu dieser Zeit ganz andere Probleme hatte: "Auf einmal war ich ein riesiges Bild auf einer riesigen Leinwand, auf Anschlagtafeln und Magazin-Titeln. Und ganz nebenbei musste ich versuchen, die Person zu bleiben, die ich war, und besser zu werden in dem, was ich mache", erklärte er "Deadline". "Natürlich bin unglaublich gesegnet, lächerlich begünstigt und unfassbar dankbar. Aber ich will auch in der Lage sein, in den Baumarkt um die Ecke zu gehen, in meine Lieblingsbar oder ein Café. Rumhängen und beim Rausgehen mit dem Portier über die morgendliche Schlagzeile der 'Times' plaudern." Dass er ein normales Leben führen kann, zumeist auf seiner Ranch in Montana, zählt der Hollywoodstar zu den größten Leistungen seiner Karriere. "Es braucht Raffinesse und Ausdauer, aber wenn man sich bemüht und nicht viel Scheiße baut, ist es durchaus möglich."

Und ermöglicht hat sich der Golden-Globe-Preisträger jenen Luxus eben auch, indem er das Eisen nicht schmiedete, als es gerade heiß war. "Zu der Zeit, als ich im 15-Minuten-Takt Drehbücher hinterhergeworfen bekam, zog ich gerade meinen Sohn groß. Getrennt von seiner Mutter", erklärte Keaton dem Onlinemagazine "Hitfix". Sean Douglas, der heute Songs für Popstars wie Madonna, David Guetta oder Nick Jonas schreibt, entstammt der Ehe mit der inzwischen verstorbenen Schauspielerin Caroline McWilliams. Der Junge war sieben, als sich seine Eltern 1990 scheiden ließen. "Ich habe viele Rollen abgelehnt, weil ich in der Lage sein wollte, meinen Sohn von der Schule abzuholen."

Dass er andere Rollen hingegen nur annahm, weil die Bezahlung stimmte, räumt der Pragmatiker unumwunden ein: "Natürlich kann ich verstehen, dass alle dachten, ich sei high, als ich für 'Herbie Fully Loaded' unterschrieb", sagte Keaton mal der "Huffington Post". "Aber ich rechnete mir aus, dass das eine Fortsetzungsgeschichte werden könnte, bei der ich nicht viel zu verlieren hatte, weil ich ja nur eine Nebenrolle spielte. Und der Scheck gab mir die Freiheit, kleinere Filme mit großartigen, unbekannteren Regisseuren zu drehen."

So steckt auch hinter der Entscheidung, in "Spider-Man: Homecoming" (Start: 13. Juli) den Bösewicht Vulture zu spielen, finanzielles Kalkül: "Und um ehrlich zu sein, habe ich in letzter Zeit Filme gedreht, die nicht so viel abwarfen. Das geht nur für eine bestimmte Zeit", antwortete er dem "Parade"-Reporter, als er nach seinem Comic-Film-Comeback gefragt wurde. "Zum Glück verdient mein Sohn jetzt sein eigenes Geld. Ich muss Rechnungen bezahlen." Und nach dem nächsten oscarverdächtigen Projekt Ausschau halten.

Annekatrin Liebisch

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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