Kino / Portraits

Wo ist die perfekte Welle?

Daniel Roesner spielt im Test-Pilotfilm "Turbo & Tacho" (Donnerstag, 07.02., 20.15 Uhr, RTL)

Interviews gibt Daniel Roesner gerne in seinem natürlichen Lebensraum: im Bus. Ein eigenhändig umgebauter und neu lackierter VW T4 ist der Ort, wo man den Schauspieler ("Die Rache der Wanderhure") am häufigsten vorfindet. In seiner Berliner Wohnung ist der 29-Jährige dagegen eher selten. Viel lieber als das Großstadtleben mag er es, in ganz Europa unterwegs zu sein. Zu weit vom Meer entfernt sich der Surfer (Wellenreiten, Stand-up-Paddeln, Kite-Surfen) mit ausgeprägtem Freiheitsdrang aber nie. Den würde er für das richtige Engagement aber auch mal zurückstellen. Aus Roesners Hauptrolle in dem RTL-Actionspaß "Turbo & Tacho" (Do., 07.02., 20.15 Uhr) an der Seite von Axel Stein könnte nämlich durchaus eine Serie werden. Aber jeder Surfer weiß: Auf das Timing kommt es an.

teleschau: Herr Roesner, Sie sind kaum im Internet präsent. Ihre Homepage enthält kaum persönliche Infos, auf Facebook sind Sie nicht besonders aktiv. Ist das Absicht?

Daniel Roesner: Manche meiner Kollegen posten täglich auf Facebook, ich weiß. Aber ich empfinde mich selbst und das, was ich mache, ehrlich gesagt als nicht wichtig genug, um täglich darüber zu berichten. Ich wüsste auch nicht, ob das wirklich jemanden interessieren würde. Und ob es beruflich hilft, da bin ich mir auch nicht so sicher.

teleschau: Sie sind also mehr der analoge Typ?

Roesner: (lacht) So könnte man es formulieren. Ich ziehe mich aus den - wie sagt man - Social Networks und Communities eher zurück. Wenn jemand direkt nachfragt, rede ich aber sehr gerne über meinen Beruf. Nur eben lieber bei 'nem Kaffee. Es ist oft spannender, jemandem gegenüberzusitzen und etwas von Mensch zu Mensch zu erzählen.

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teleschau: Wenn das Internet nicht lügt, hatten Sie kürzlich Geburtstag: Am 20. Januar wurden Sie 29. Wie haben Sie den Tag verbracht?

Roesner: Zum ersten Mal in der Großstadt. Sonst verbringe ich meinen Geburtstag eigentlich immer am Meer, aber diesmal war ich in Berlin, wo ich wohne. Es war ein kalter, klarer Wintertag mit Sonnenschein. Nach einem zweistündigen Morgen-Spaziergang um den Schlachtensee habe ich mir in Neukölln ein großes kalifornisches Frühstück genehmigt, mit allem was dazugehört.

teleschau: Gibt es etwas, das Sie mit 30 erreicht haben möchten?

Roesner: Ich setze mir da kein Ultimatum, weil ich daran glaube, dass die Dinge dann passieren, wenn sie passieren sollen. Aber es gibt natürlich manches, das man sich so vornimmt. Mein großer Traum ist es, mit einem eigenen Segelschiff Surfspots zu besichtigen und vielleicht auch Filmprojekte mit diesem Boot zu verwirklichen.

teleschau: Was reizt Sie am Surfen?

Roesner: Surfen ist nicht nur ein Sport für mich. Es ist auch eine spirituelle Erfahrung, gibt mir Ruhe und die Möglichkeit, mich zurückzuziehen. Im Meer zu sein, diese unglaubliche Naturgewalt, und das Element pur zu erleben, ohne Lärm und Verkehr, mit Fischen und Delfinen - das ist wunderbar. Ich verbringe viel Zeit meines Lebens im Wasser, was mich auch dazu gebracht hat, mich für den Umweltschutz einzusetzen. So oft es geht, versuche ich Projekte meines Sponsors O'Neill zu unterstützen, helfe bei Beach-Clean-ups oder dabei, Kindern beizubringen, wie sie die Strände und das Wasser sauber halten können.

teleschau: Und wie kamen Sie zu diesem Sport?

Roesner: Mein guter Freund und Mentor Hannes Jaenicke, den ich in Kalifornien kennenlernte, hat mich mit dem Virus infiziert. Er hat's mir gezeigt, und wir versuchen auch heute noch, den ein oder anderen Trip zusammen zu machen.

teleschau: Läge es für Sie als Wassersportler nicht nahe, statt in Berlin etwa in Hamburg zu wohnen?

Roesner: Im Prinzip schon, aber als ich vor drei Jahren wieder aus den USA nach Deutschland kam, war Berlin für mich als Schauspieler einfach die erste Adresse. Meine Agentin war dort, und es fanden regelmäßig Castings statt. Aber eigentlich bin ich relativ selten in Berlin. Wenn es meine Zeit zulässt, lebe ich im Sommer an der Nordsee. Entweder in Deutschland, zum Beispiel in Sankt Peter-Ording, oder wie vergangenen Sommer in Holland.

teleschau: Dann haben Sie mehrere Wohnungen?

Roesner: Nein, das nicht. Ich habe mir selbst einen VW-Bus umgebaut, einen T4, den ich von meinem Vater übernommen habe, und in dem verbringe ich die meiste Zeit. Der Bus hat auch eine Kochmöglichkeit - alles was das Herz begehrt.

teleschau: Und was zeigt der Kilometerzähler?

Roesner: Über 500.000 Kilometer.

teleschau: Im Winter bleibt der Bus aber in der Garage, oder?

Roesner: Nö, der fährt und fährt und fährt - auch im Winter! Ende Februar drehe ich einen "Tatort" und möchte danach mit dem Bus ein paar Tage in den Bergen dranhängen.

teleschau: Fällt es Ihnen schwer, sich die Freiheit zu nehmen, so zu leben, wie Sie es tun?

Roesner: Wenn ich einen Bürojob hätte, könnte ich vieles nicht tun, das mir wichtig ist, das ist mir klar. Es ist ein unglaubliches Privileg, dass ich nicht nur von meinem Beruf leben, sondern durch ihn auch tolle Projekte verwirklichen kann. Das ist das größte Geschenk, das mir die Schauspielerei macht.

teleschau: Mussten Sie für "Turbo & Tacho" eigentlich ins Fitnessstudio?

Roesner: Für andere Rollen habe ich das gemacht, aber es ist nicht mein Ding. Auf "Turbo & Tacho" habe ich mich natürlich schon körperlich vorbereitet, aber auch mental. Ich bin mit meinem Bus für einige Wochen nach England und Holland ans Meer gefahren, um Ruhe für die Scriptarbeit zu haben. Auch physisch verlangt einem so ein Monat intensive Drehzeit einiges ab. Um das zu leisten, brauche ich einen gesunden Körper, und den bekomme ich nur, wenn ich nicht in der Stadt bin.

teleschau: Sind Sie in solchen Phasen allein?

Roesner: Die meiste Zeit ja. Manchmal kommen Freunde vorbei. Mein bester Kumpel hat auch einen Bus, und wir machen manche Fahrten zusammen. Aber wenn ich mich auf einen Film vorbereite, mache ich das alleine, ohne Ablenkung.

teleschau: Täuscht das, oder herrscht zwischen Ihnen und Ihrem Filmpartner Axel Stein eine besondere Chemie?

Roesner: Das stimmt schon so. Wir verstehen uns hervorragend, und Axel ist für mich ein sehr enger Freund geworden. Die Zusammenarbeit klappte einwandfrei, aber auch privat harmonieren wir sehr gut.

teleschau: Dann stünde der gemeinsamen Arbeit für eine "Turbo & Tacho"-Serie von Ihrer Seite nichts im Wege?

Roesner: Absolut nicht! Da wären wir wieder bei den Wünschen für 2013. Das steht auf meiner Liste ganz weit oben. Ich würde die "Turbo & Tacho"-Serie unheimlich gerne umsetzen dürfen. Das wäre meine erste Hauptrolle in einer Serie und eine große Herausforderung. Außerdem ist das Team ganz toll. Für "Turbo & Tacho" würde ich mich zeitlich und räumlich festlegen, weil mich das erfüllen würde und mir in Zukunft womöglich die ein oder andere Tür öffnen könnte.

teleschau: Wie würden Sie die Stimmung unter den deutschen Nachwuchsschauspielern beschreiben? Kämpft jeder für sich, oder gibt es ein gewisses Wir-Gefühl?

Roesner: Ein bisschen was von beidem. Man hilft sich, schlägt sich gegenseitig für Rollen vor. Das habe ich auch selbst schon erlebt. Am Ende des Tages muss dann aber doch jeder für sich selbst kämpfen. Das heißt aber auch nicht, dass man sich gegenseitig aussticht oder so etwas.

teleschau: Wie haben Sie das in Amerika erlebt?

Roesner: Die amerikanische Schauspielbranche ist viel, viel, viel härter und rigoroser. Das Überangebot an Schauspielern ist ein großes Problem, und die Konkurrenz ist riesig. Es ist wahnsinnig schwer, an einen Job in dem Bereich ranzukommen, weshalb nur die Allerwenigsten von der Schauspielerei allein leben können. Meine Freunde und Kollegen drüben lebten fast alle am Existenzminimum.

teleschau: Trotzdem fasziniert Sie Amerika im Allgemeinen und Kalifornien im Speziellen. Warum?

Roesner: Der Hang der Kalifornier zum Positiven ist es vor allem, der mich fasziniert. Die Leute dort stecken den Kopf nicht in den Sand, auch wenn es mal nicht so gut läuft. Sie fragen sich eher, was sie besser machen können und haben den Mut, es anzupacken, sich immer wieder neu zu erfinden und nicht stillzustehen. Und dann ist da natürlich noch die Natur, die mich in Kalifornien völlig überwältigt.

teleschau: Könnten Sie sich vorstellen, dauerhaft dorthin zu ziehen?

Roesner: Als Europäer ist es denke ich sehr schwer, dauerhaft in Amerika zu leben. Ich würde Europa, die Kultur, die Architektur, doch sehr vermissen. Ich könnte mir aber sehr gut vorstellen, ein Pendler zu sein zwischen Deutschland und Amerika. Das wäre ein großer Traum von mir.

Teresa Groß

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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