Kino / Portraits

Im Gleichgewicht?

Rosamund Pike hilft Tom Cruise in "Jack Reacher" (Start: 3. Januar)

Scheinbar wahllos erschießt ein Scharfschütze fünf Passanten, vergisst dann eine Patrone am Tatort und hinterläßt Fingerabdrücke. Diese führen zum Ex-Soldaten James Barr (Joseph Sikora). Der prompt verhaftete Barr verlangt bei seiner Anwältin Helen Rodin (Rosamund Pike) nach einem gewissen "Jack Reacher" (Start: 3. Januar), kurz bevor ihn Mitgefangene ins Koma prügeln. Reacher (Tom Cruise) entpuppt sich als Ex-Militärermittler, der Barr vor Jahren vergeblich eines Mordanschlags zu überführen versuchte. Obwohl alles andere als ein Freund von Barr, beginnt Reacher zu schnüffeln und deckt schon bald Ungereimtheiten am angeblichen Tathergang auf - und die Machenschaften von Mafiaboss "The Zec" (grandios gemein: Werner Herzog). Im Interview spricht das Ex-Bond-Girl Rosamund Pike (33) über amerikanische Juristinnen und die Doppelbelastung von Familie und Job.

teleschau: Was mögen Sie an Ihrer Filmfigur?

Rosamund Pike: Helen setzt sich ein für ihre Ideale und opponiert dabei sogar gegen ihren Vater, einen berühmten Staatsanwalt. Das macht sie so sympathisch. Aber ihr Leben hat sie dennoch nicht im Griff. Sie ist Single und kommt auch in ihrer Kanzlei nicht so richtig auf einen grünen Zweig. Zumindest steht bei diesem Fall niemand hinter ihr. Ich finde, dass US-Juristinnen im Film oft kaltschnäuzig rüberkommen. Helen Rodin ist erfrischend anders.

teleschau: Ist sie die erste typische Amerikanerin, die Sie spielen?

Pike: Das nicht, aber sie ist sicher die Beste. Außerdem ist mein amerikanischer Akzent dank dieser Rolle beinahe perfekt geworden. Allerdings ist Helen eine Mischung aus drei Frauen, die in der Romanvorlage des Films vorkommen. Ich war von mir selbst überrascht, wie amerikanisch ich mich anhöre, als ich den fertigen Film sah. Mal sehen, vielleicht ergibt sich ja noch das ein oder andere Projekt in den USA. Ich würde mich freuen.

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teleschau: Wie war die Zusammenarbeit mit Tom Cruise?

Pike: Ich schwärme für Tom schon seit "Top Gun" und war wie jedes kleine Mädchen verliebt in Maverick (lacht). Dann trifft man sich zur Leseprobe. Und plötzlich steht dieses umschwärmte Gesicht leibhaftig vor einem.

teleschau: Und man möchte am liebsten im Boden versinken?

Pike: Nein, überhaupt nicht. Es war nicht peinlich, sondern aufregend und irgendwie cool. Tom ist wahnsinnig nett und geht auf die Leute zu. Wenn er jemandem zum ersten Mal begegnet und der sich nicht traut, ihn anzusprechen, wird Tom auf ihn zugehen und sich vorstellen. Er ist ein sehr entzückender Mensch.

teleschau: Welche neuen Projekte stehen bei Ihnen an?

Pike: Ich habe gerade die Leinwandversion von Nick Hornbys "A Long Way Down" abgedreht. Da spiele ich übrigens eine wunderbare Nebenrolle an der Seite von Pierce Brosnan. James Bond und sein verflossenes Bond-Girl Miranda Frost sitzen quasi in trauter Zweisamkeit auf dem Sofa. Wir fanden das beide sehr amüsant.

teleschau: Denken Sie gerne an Ihren Bondfilm, "Stirb an einem anderen Tag", zurück?

Pike: Auf jeden Fall! Die Rolle hat mir sehr geholfen, auch wenn es ein wenig belastend war, danach jahrelang nur noch als "das Ex-Bond-Girl" tituliert zu werden.

teleschau: Sie sind seit Mai 2012 Mutter. Wie bringen Sie beide Rollen ins Gleichgewicht?

Pike: Wenn Französinnen von "équilibre" reden, dann meinen sie etwas, das sie tatsächlich bewältigen. Sie bekommen Job und Familie in Einklang. Wenn britische Mütter über so etwas wie Doppelrollen oder Balance sprechen, dann reden sie fast immer vom Scheitern.

teleschau: Woran liegt das?

Pike: Wir Briten sind wohl einfach nicht gut darin, uns Zeit für uns selbst zu nehmen. In Frankreich kochen sich sogar alleinstehende Männer eine Mahlzeit, haben quasi eine Verabredung mit sich selbst. Sie nehmen sich Zeit dafür. Das tun wir Briten nicht. Dabei dauert das Kochen auch nicht länger als zu Starbucks zu gehen und sich ein Kaffee und ein Sandwich zu holen. So ähnlich ist es wohl beim Einplanen von Familienzeit in unser Leben.

teleschau: Und wie sieht es nun mit dem persönlichen "équilibre" aus?

Pike: Das gibt's gerade nicht. Ich habe einen Umzug hinter mir, mein Sohn Solo ist erst ein dreiviertel Jahr alt und ich drehe gerade. Ich stecke also mitten im persönlichen Chaos, statt im Gleichgewicht zu schweben.

teleschau: Aber Sie wirken immer geradezu göttlich ausgeglichen!

Pike: Glauben Sie mir: Das täuscht!

Margarete Richter

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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