Kino / Portraits

Romy, immer wieder neu ...

Romy Schneider starb am 29. Mai vor 30 Jahren

Es ist eine alte Geschichte, doch wird sie immer wieder neu erzählt: die Geschichte der Schauspielerin Romy Schneider, die eigentlich Rosemarie Magdalena Albach hieß. Die mit ihren "Sissi"-Filmen im zarten Alter von 18 Jahren die Welt bezauberte und später nach Frankreich ging, weil sie nicht länger das "süße Mädel" bleiben wollte. Im Nachbarland startete sie eine neue, große Karriere.

"Manchmal kommt der Moment, da wünsche ich mir, nicht mehr gefragt, nicht mehr angeglotzt, gar nicht mehr fotografiert zu werden", sagte sie Jahrzehnte später, im Januar 1977. Der Star wurde langsam müde. "Das ist kein 'Melodrama', auch kein 'Sich-Selbst-Beweinen'. Ich bin wohl recht 'unlebbar' für mich selbst - schon gar für andere", schrieb sie in einem Brief an einen Journalisten. "Dabei nehme ich mich viel weniger ernst als man denkt! Meine Arbeit schon, meine Person - non." Fünf Jahre später, am 29. Mai 1982, also vor genau 30 Jahren, war ihr Leben zu Ende. Sie starb an Herzversagen, im Alter von 43 Jahren.

Das Fernsehen und die Feuilletons haben sich längst um eine angemessene Würdigung ihrer Lebensleistung bemüht. Spielfilme wurden zuletzt gar über sie gedreht. Das schwierige Verhältnis zu den Deutschen hatte damals seine Gründe: enttäuschte Liebe, gekränkter Stolz und das anachronistische, kleinbürgerliche Frauenbild der Nachkriegszeit auf der einen, Naivität, gelegentliche Geltungssucht und mangelnde Cleverness im Umgang mit der Öffentlichkeit auf der anderen Seite. Romy musste noch für die eigene Publicity sorgen. So ist es zu erklären, dass sie sich von der Presse zwar meist verfolgt fühlte, ihr in den glücklichen Momenten dann aber doch immer wieder offen und leutselig begegnete.

Die Deutschen konnten ihrer "Romy" die plötzliche Flucht vor dem Kitsch und der Rührseligkeit nie verzeihen. Die gebrochenen, selbstbewussten und sinnlichen Frauen im französischen Kino der 70er-Jahre, die Prostituierte in "Das Mädchen und der Kommissar" (1970), die Mörderin in "Trio Infernale" (1974) oder die verderbte Schauspielerin in "Nachtblende" (1974) - all diese Rollen wurden vom deutschen Massenpublikum weitgehend ignoriert.

mehr Bilder

Ganz anders die Franzosen: Freundlich nahmen sie die Deutsche Ende der 50-er nach dem Umzug nach Paris und der Liaison mit Alain Delon auf - auch wenn Romy Schneider später erklärte: "Die Pariser sahen in mir eine Art Alpenjodlerin, die mit Bergschuhen in ihre Welt klettern wollte." Für "Sissi IV" bekam sie eine Million Mark geboten. Doch sie lehnte ab: "Das Nicht-Leichte wird für mich immer reizvoll sein", schrieb die Autodidaktin, die zeitlebens nicht wenig unter ihrer fehlenden Ausbildung litt, in dem bereits erwähnten Brief. "Fast alles aus sich selbst herauszuholen, ist etwas, was mich vielleicht mein Leben lang beschäftigen wird."

Ein deutsches Comeback ging 1977 schief. "Gruppenbild mit Dame" nach Heinrich Böll wurde ein Fiasko, obwohl die von Böll als "verkanntes Genie der Sinnlichkeit" angelegte Figur der Leni Gruyten ihr sehr am Herzen lag. Um den Schriftsteller persönlich davon zu überzeugen, dass sie dafür die Richtige war, hatte sie ihn sogar in Köln aufgesucht. "Ich bin müde und ein bisschen kaputt", sagte er zu ihr. "Ich auch", antwortete sie ihm.

Da hatte der Abschied vom Leben bereits begonnen. Nach der Geburt ihrer Tochter Sarah 1977 kam der Selbstmord ihres ersten Ehemanns Harry Meyen, die Trennung vom zweiten, Daniel Biasini, eine schwere Nierenoperation, schließlich der Tod ihres Sohnes David, der beim Spielen von einem Eisenzaun aufgespießt wurde. Ihre Lebenskraft erlosch. Am 29. Mai 1982 starb sie im Pariser Haus ihres neuen Freundes Laurent Pétain. "An gebrochenem Herzen", wie ihr einstiger Verlobter Alain Delon hinterher erklärte. Inzwischen vermehrt sich der Ruhm der Schauspielerin von Jahr zu Jahr.

3sat zeigt ab 27. Mai anlässlich des 30. Todestags die tägliche Reihe "Romy Schneider" mit vielen Spielfilmen und Dokumentationen. Die Reihe beginnt am Sonntag, 27. Mai (17.20 Uhr), mit "Monpti" (1957), dem TV-Film "Romy" (2009, 20.15 Uhr), der Syberberg-Dokumentation "Romy - Porträt eines Gesichts" (1966, 22.00 Uhr) und dem Claude-Sautet-Film "Das Mädchen und der Kommissar" (1970, 23.00 Uhr).

Hans Czerny

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

Versenden Drucken

Weitere Artikel


Film-Starts

Film-Archiv

Suchen Sie im Radio Leverkusen Film-Archiv anhand eines Titels oder eines Darstellers nach Filmkritiken.

  
DVD-Filme

Erfahren Sie mehr über die neu erschienenen DVDs in den aktuellen Besprechungen.

Ticketshop

Sichern Sie sich im Radio Leverkusen Ticketshop die Tickets Ihrer Wunschveranstaltung!

Anzeige
Zur Startseite