Musik / Backstage

Größer, lauter, extravaganter

Der Kiss-Star veröffentlicht "das größte Box-Set aller Zeiten"

Höher, schneller, weiter - für Gene Simmons scheint das eine Art Lebensmotto zu sein. Oder vielleicht auch: größer, lauter, extravaganter. Das Imperium seiner Band Kiss, die mit über 100 Millionen verkauften Alben zu den erfolgreichsten Rockgruppen aller Zeiten gehört, umfasst zum Beispiel eine eigene Restaurantkette namens "Rock & Brews", eine Rock'n'Roll-Kreuzfahrt und eine Minigolf-Anlage in Las Vegas. Aber auch jenseits von Kiss ist Simmons längst zum Mogul geworden. Er hatte mit seiner Familie bereits eine eigene Reality-TV-Show und ist Miteigentümer des Football-Teams L.A. Kiss. Sein neuester Streich trägt den Namen "The Vault Experience". Dahinter verbirgt sich ein außergewöhnliches, limitiertes Fan-Paket - es soll das größte Box-Set aller Zeiten sein. "Ihre Freundinnen haben Sie nämlich angelogen. Es kommt sehr wohl auf die Größe an", grinst Simmons im Interview und erfreut sich an seinem zotigen Witz.

Mit "The Vault Experience", erhältlich ab 31. Dezember, blickt Simmons ausgiebig auf seine nunmehr 50 Jahre währende Karriere als Rockstar zurück. In dem 17 Kilogramm schweren Tresor befinden sich 150 bisher unveröffentlichte Songs, die von seiner allerersten Demo-Aufnahme aus dem Jahr 1966 bis zu Kollaborationen mit Bob Dylan, Van Halen und Joe Perry (Aerosmith) reichen, verpackt in einem dicken Lederbuch mit Anekdoten und Fotos.

Obendrauf kommen eine Gene-Simmons-Actionfigur, eine Goldmünze mit der Prägung "In Gene we trust" sowie je ein von Simmons persönlich ausgewähltes privates Erinnerungsstück. "Ich will nicht, dass ich irgendwann sterbe und die Plattenfirma dann posthum so eine Box veröffentlicht", erklärt Simmons. "Warum sollte ich jemanden eine Party zu meinen Ehren schmeißen lassen, wenn ich selbst nicht dabei sein kann? Man sollte die Dinge genießen, während man am Leben ist. Mir schwebte diese Box schon zehn Jahre lang vor."

Dieses üppige Set passt auch zu Simmons. Sein Leben ist im Grunde die Geschichte vom perfekten amerikanischen Traum. Simmons wurde 1949 als Chaim Witz in der israelischen Stadt Haifa geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Als er acht Jahre alt war, wanderte seine inzwischen geschiedene Mutter mit ihm nach Amerika aus, sie landeten in New York. Schon als Teenager spielte er in ersten Bands. 1972 - Simmons arbeitete damals noch als Grundschullehrer - lernte er den Taxifahrer Stanley Eisen alias Paul Stanley kennen, und die beiden fingen an, zusammen Musik zu machen. Ein Jahr später gründeten sie Kiss.

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Mit ihren geschminkten Gesichtern, den auffälligen Kostümen samt Plateaustiefeln, den pyrotechnischen Effekten und Simmons' waghalsigen Showeinlagen (zum Beispiel Blut- oder Feuerspucken) machte die Band sich schnell einen Namen. Ende der 70er-Jahre gab es bereits Flipperautomaten mit ihren Konterfeis, Kiss-Puppen, Schminkutensilien und Kiss-Comics von Marvel.

Inzwischen ist Simmons 68 Jahre alt. "If it's too loud, you're too old", steht auf der Rückseite der Goldmünze, die seiner Box beiliegt. Doch von jenem Punkt, an dem ihm irgendetwas zu laut sein könnte, ist Simmons noch weit entfernt. "Ich mag große Partys und laute Musik. Selbst wenn ich Adele höre, will ich aufdrehen. Wenn die Musik zu leise ist, schläft man ein. Ich will nicht einschlafen! Ich will die Musik genießen. Ich will, dass sie meine Ohren kitzelt und mich schüttelt", grinst er und streckt seine Hand aus. "Schauen Sie mal: Zittert die? Nein, und ich sage Ihnen warum: keine Drogen, kein Alkohol, keine Zigaretten. Wenn andere das alles wollen, dann bitteschön, aber ich will meinem Körper nicht wehtun."

Er habe immer schon auf seine Gesundheit geachtet, führt Simmons aus und ergänzt: "Ich fahre nie in den Urlaub, ich arbeite jeden Tag. Das Leben ist toll! Und ich kann nur sagen: Arbeite hart, verfolge deine Träume! Tue unmögliche Dinge, liebe deinen Partner von ganzem Herzen, iss gut und du wirst ein großartiges Leben haben. Wenn du das nicht tust, schlägt dein Herz langsamer und langsamer, und irgendwann stirbst du." Die Liste, der Projekte, die Simmons noch auf seiner To-Do-Liste hat, ist entsprechend lang: Er hat gerade ein Buch mit dem Titel "On Power" veröffentlicht, will demnächst ein neues Magazin und eine Cola auf den Markt bringen und träumt von einer neuen Film-Firma.

Die Box soll nun eine Art Dankeschön an seine Fans sein, und natürlich wird bei Gene Simmons auch die Aushändigung zum Happening. "Ich will die Leute treffen, die mir mein Leben ermöglicht haben", erklärt er. "Denn ohne sie würde ich Burger braten." Das mit dem Treffen funktioniert so: Gene Simmons überreicht jedes Exemplar von "The Vault" höchstpersönlich, und zwar bei eigens organisierten Fan-Events, für die er 2018 um den ganzen Globus und auch nach Deutschland reist. "Die Leute denken, ich sei verrückt geworden", lacht Simmons. "Aber ich will es halt auf meine Art machen."

Zugegeben: Ein Schnäppchen ist "The Vault Experience" nicht: 2.000 Dollar muss man dafür auf den Tisch legen. Wer 50.000 Dollar locker macht, den besucht Simmons sogar zu Hause. "Natürlich ist das nicht billig, aber wenn ich ein Konzert spiele, verdiene ich bis zu einer Million, bei Keynotes bis zu 500.000 Dollar. Die Home Experience kostet nur ein Zehntel", rechnet Simmons vor. "Ein Rolls Royce hat ja auch seinen Preis." 25 Freunde darf man als Käufer zu seiner privaten "Home Experience" einladen. Simmons gibt Autogramme, quatscht und macht Fotos. Nur putzen, so steht es in den AGBs, wird er nicht.

Nadine Wenzlick

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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