Musik / Backstage

Eine Stimme wie keine andere

Der Soundgarden-Sänger starb im Alter von 52 Jahren

"Black hole sun, won't you come, and wash away the rain?" - Chris Cornell ist tot. Er starb im Alter von 52 Jahren zeitnah nach einem Live-Auftritt in Detroit. Die Gründe sind derzeit noch unbekannt. Cornell spielte dort mit Soundgarden, jener Band, mit der er Musikgeschichte schrieb.

Mit Kurt Cobain von Nirvana und Eddie Vedder von Pearl Jam gehörte Cornell Anfang der 90er-Jahre zu den wichtigsten Vertretern des Grunge. Auch er hatte wie viele prominente Künstler dieser musikalischen Bewegung seine Probleme mit Drogen. Doch Cornell gelang es, wie auch Eddie Vedder, einen Weg nach dem Hype für sich zu finden.

Seine Karriere begann im Zentrum des Grunge, in Seattle. Mit 15 verließ er die Schule, arbeitete zunächst als Tellerwäscher. Seine Eltern hatten sich früh getrennt. Musik, sagte er einmal, sei für ihn eine Wirklichkeitsflucht gewesen. Schon 1982 entstand die erste Band The Shemps. Zwei Jahre später gründete er gemeinsam mit dem Bassisten Hiro Yamamoto Soundgarden, zunächst als Schlagzeuger, später vernünftigerweise als Sänger. Zeit seines Lebens galt Cornell dank seiner variablen Stimme als einer der besten Rocksänger der Welt. Wie so viele Bands aus der Gegend unterschrieb auch Soundgarden zu Anfang einen Vertrag beim kommerziell unabhängigen Label Sub Pop. Später ließen auch sie eine kommerzielle Vermarktung zu. Doch musikalisch blieb sich die Band über Jahre hinweg weitgehend treu.

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Die Hochphase begann Anfang der 90er-Jahre mit "Badmotorfinger", dem dritten Studioalbum, das bis heute als eines der besten Rockalben der Musikgeschichte gilt. Kommerziell weit erfolgreicher war "Superunknown" (1994), das mit "Black Hole Sun" und "Spoonman" zwei der größten Hits von Soundgarden enthält. 1997 dann, Grunge war nach dem Tod von Kurt Cobain drei Jahre zuvor längst nicht mehr en vogue, löste sich die Band auf. "In Freundschaft", hieß es damals in der offiziellen Mitteilung dazu, und so war es auch, wie man heute weiß.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau erinnerte sich Cornell an jene Zeit: "Schon Anfang der 90-er war mir klar, dass dieses Seattle-Ding irgendwann vorbei ist, sterben wird. Ich wusste nur nicht wie. Ich erinnere mich, dass ich als Teenager Leute mit einem 'Punx not dead'-Shirt gesehen habe. Und wenn du solche T-Shirts siehst, ist klar, dass Punk wohl doch tot ist, sonst würden sie die nicht tragen ... Ich wusste nicht, wie Grunge sterben wird, vermutete, er wird verwässert, kopiert. Und als ich einen bestimmten Stone-Temple-Pilots-Song hörte, wusste ich, es ist verdorben. Dann hast du nur noch eine kommerzielle Rockband, bist so etwas wie Whitesnake."

Cornell gründete mit den Rage-Against-The-Machine-Mitgliedern Tom Morello, Tim Commerford und Brad Wilk 2001 die Band Audioslave, die bis 2007 aktiv war. Als erste amerikanische Rockformation trat sie vor 60.000 Zuschauern in einem von der US-Regierung autorisierten Konzert in Havanna auf. Anfang 2017 formierten sich Audioslave noch einmal neu, um bei einer Veranstaltung in Los Angeles gegen den designierten US-Präsidenten Donald Trump zu protestieren.

Auch Soundgarden erlebte ein Comeback: Mitte 2010 kam es zu einem fulminanten Auftritt beim renommierten Lollapalooza-Festival, Ende 2012 erschien ein neues Album ("King Animal"). Bis zuletzt war die Band immer wieder live auf Tour. Für diesen Mai waren eine Reihe von Auftritten in den USA angekündigt, ein neues Album war geplant.

"Soundgarden öffnete Türen. Wir waren nicht nur Teil der Bewegung, wir waren ein sehr großer Teil des Ganzen", sagte Cornell der teleschau. "Soundgarden war die älteste Band, die erste, die beim Major unterschrieb. Das beeinflusst jeden Tag meines Lebens." Mit dem Begriff Grunge habe er jedoch lange Zeit nichts anfangen können. "Ich habe ihn erst verstanden, als ich Stone Temple Pilots und Creed gehört habe. Sie vermengten all diese Seattle-Bands zu einer, darin erkenne ich ein Genre."

Während Cornell mit Soundgarden die Tradition bewahrte, setzt er als Solokünstler neue Akzente. 2006 kam seine Single "You Know My Name", Titelsong des James-Bond-Films "Casino Royale". Vier Soloalben veröffentlichte Cornell insgesamt, allesamt jedoch nicht sonderlich erfolgreich. Gefragt und geschätzt war der intelligente Musiker allerdings bis zuletzt. Noch vor wenigen Wochen trat er beim US-Late-Night-Talk von Jimmy Fallon auf und präsentierte dort "The Promise", den Titelsong eines gleichnamigen Kinofilms mit Christian Bale.

Cornell war zweimal verheiratet und dreifacher Vater. Nach der Trennung von Ehefrau und Managerin Susan Silver 2004 fand er mit Vicky Karayiannis die Liebe seines Lebens.

Kai-Oliver Derks

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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