Musik / Backstage

Im Kopf längst Star

vertritt Deutschland beim ESC (13.5.) und veröffentlicht am 28. April ihr Album "Unexpected"

Seit 9. Februar steht das Leben von Isabella Levina Lueen kopf. An diesem Tag gewann die 25-Jährige verdient den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2017. Das merkwürdige Regelwerk ließ es zu, dass sie in der Endrunde nur noch gegen sich selbst antrat, einzig der Song stand zur Debatte. Jetzt ist ihr Terminkalender voll mit Interviews, Presseterminen und Auftritten. Beim ESC in Kiew am Samstag, 13. Mai, wird es dann ernst für Levina: Mit dem Song "Perfect Life" möchte sie ein Millionenpublikum überzeugen - und für Deutschland auf dem Treppchen stehen. Abgehoben ist Levina aber trotz der plötzlichen Bekanntheit noch lange nicht. Mit zerzausten Haaren und einem einfachen T-Shirt verrät die Sängerin beim Interviewtermin in München: "Man darf nie seine Gelassenheit verlieren."

So selbstsicher die über 1,80 Meter große Levina auch in ihrer schwarzen Lederjacke und dem lässigen Look wirkt, in dem großen Konferenzraum bei ihrem Plattenlabel Sony Music wirkt die Songwriterin anfangs etwas verloren. Doch sobald sie anfängt zu erzählen, wird klar: Sie hat lange auf diesen Moment hingearbeitet, als Sängerin im Scheinwerferlicht zu stehen und Interviews zu geben. Im Kopf, das wird offensichtlich, ist sie all diese Gespräche, die neuerdings auf der Tagesordnung stehen, schon mehrmals durchgegangen.

"Als ich klein war, habe ich immer gesagt, dass ich Sängerin werden möchte", erzählt Levina. "Doch wenn du jung bist und einen solchen Wunsch äußerst, finden das alle süß und lachen darüber. Keiner nimmt das ernst, und insgeheim denkt sich jeder: Später lernt sie schon etwas Richtiges." Heute kann Levina darüber lachen, dass man sie nicht ernst genommen hatte. Ein "richtiger" Beruf war nicht nötig, ist sie doch nun dabei, ihren Traum in die Realität umzusetzen. Schon mit neun Jahren nahm das Stimmtalent klassischen Gesangsunterricht. Bald durfte sie eine kleine Solo-Rolle im Musical "Drei Wünsche frei" übernehmen. Ein Gastauftritt in der Dresdner Semperoper hat Levina klargemacht: Musik ist der einzige Weg!

Mit der Unterstützung ihrer Eltern hat die gebürtige Bonnerin auf die Erfüllung ihres Traumes hingearbeitet. Seit sie 16 Jahre alt ist, steht sie auf eigenen Beinen. Damals nahm Levina das Angebot wahr, ein Schuljahr im britischen Cambridge zu verbringen. "Ich war immer fasziniert von den Schuluniformen", erinnert sie sich lachend. Doch das war wohl nicht das Einzige, was der Blondine gefiel. Denn Levina fühlte sich wohl in England, und um in Deutschland nicht eine Klasse wiederholen zu müssen, blieb sie bis zum Abitur auf der Insel. Seitdem pendelt sie zwischen London und Berlin, wo ihre Eltern leben.

In der britischen Hauptstadt studierte sie Gesang und Komposition. Momentan hat die ESC-Teilnehmerin ihren Master in Musikmanagement jedoch auf Eis gelegt, denn die Karriere geht vor. "Ich habe das Studium begonnen, um mir genau so etwas wie jetzt ermöglichen zu können", erklärt sie.

mehr Bilder

Während ihrer Studienzeit hat die Exilantin schon einiges daran gesetzt, bekannt zu werden. Doch der Durchbruch blieb aus. Ihre zehnköpfige Band Miss Terry Blue gewann Wettbewerbe und spielte lokale Gigs. Obwohl es anfangs steil bergauf ging, ließ der große Erfolg doch auf sich warten. Den Grund dafür kennt Levina: Das Management habe sich finanziell verkalkuliert. Die Deutsche beschreibt sich als treibende Kraft der Multi-Kulti-Band. "Ich hätte dort weitermachen können, aber alle zusammenzuhalten und sich durchzukämpfen, hat letztendlich zu viel Kraft gekostet", begründet sie den Schritt in Richtung Solo-Karriere.

"Natürlich fällt man erst mal in ein Loch, wenn ein solches Projekt zu Ende geht", gibt Levina zu. Sie hat Zeit und Energie in die Gruppe investiert, doch letztendlich erreichte die Frontfrau nicht ihr Ziel. Von diesem Tiefpunkt hat Levina viele Eindrücke und eine wichtige Botschaft mitgenommen, die sie ihren Zuhörern mitteilen möchte: "Meine Musik soll unterhalten und Spaß machen, aber auch zeigen, dass es nach schlechten Zeiten immer wieder aufwärts geht."

Levina ist an dem Punkt angekommen, auf den sie ihr Leben lang hingearbeitet hat: Millionen von Menschen können am Samstag, 13. Mai, beim ESC auf die in Chemnitz aufgewachsene Studentin und ihre Musik aufmerksam werden. Für diesen Fall scheint sich die Sängerin die Sätze, die sie der Presse anbietet, schon lange zurechtgelegt zu haben. Sie zögert nie lange mit einer Antwort, sitzt still und gestikuliert wenig. Der große Raum wird im Laufe des Gesprächs immer kleiner. Mit Bedacht schwärmt die 25-Jährige vom momentanen Erfolg und der bevorstehenden Herausforderung. Der "Perfect Life"-Interpretin ist klar, wie sie wirken möchte: Levina strahlt Leichtigkeit und Gelassenheit aus, mit ihren 25 Jahren scheint sie schon sehr erwachsen.

Sich beim ESC zu bewerben, das sei eine impulsive Entscheidung gewesen. Den vermeintlich einfachen Weg übers Fernsehen suchte sie eigentlich nie. "Natürlich sieht man die Casting-Shows im Fernsehen, aber das war nie mein Ding", verrät Levina. Eine Freundin habe ihr den Link zur ESC-Bewerbung geschickt, und die spätere Siegerin ergriff die Chance. Nun lastet eine ganze Menge Druck auf ihr, denn es soll auf keinen Fall noch mal heißen "Germany: Zero Points". Sie geht locker damit um, trotzdem räumt Levina ein: "Egal welcher Wettbewerb, man möchte nie verlieren, das ist selbstverständlich." Sie ist entschlossen: In eine Reihe mit Ann Sophie (2015) und Jamie-Lee (2016), die beide punktlos blieben, möchte sie nicht treten.

Wie man beim ESC-Vorentscheid bemerken konnte, stehen eine Menge Menschen hinter Levina. Dazu gehören in erster Reihe ihre Familie samt Schwester, die sie als ihren größten Fan beschreibt. Auch ihre Freunde unterstützen sie. Gerade in ihrem internationalen Freundeskreis sei der ESC so etwas wie die Fußball-WM, führt "unsere" Hoffnung für Kiew aus. "Meine Freunde haben sich über meinen Erfolg gefreut, aber auch gewarnt, dass ich auf dem Boden bleiben soll."

Bisher gelingt ihr das, große Träume hegt Levina aber trotzdem: Einen Song mit Coldplay aufnehmen oder ein Duett mit James Arthur ... Mit ihrer rauchigen, doch süßen Stimme hat sie durchaus das Potenzial, durchzustarten. Sie zumindest ist davon überzeugt: "Meine Stimme ist einfach was, das man vorher noch nicht gehört hat", begründet sie selbstbewusst und meint: "Davon wird es noch viel zu hören geben!"

Anke Waschneck

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


Versenden Drucken

Weitere Artikel



Ed Sheeran - Galway Girl

CD-Archiv

CD-Archiv

Suchen Sie in der Radio Leverkusen - CD-Datenbank nach Interpreten und/oder CD-Titeln.

Ticketshop

Sichern Sie sich im Radio Leverkusen Ticketshop die Tickets Ihrer Wunschveranstaltung!

Anzeige
Zur Startseite