Musik / Backstage

Einzigartig in der Masse

Steve Lukather veröffentlicht sein Soloalbum "Transition"

Aretha Franklin und Elton John. Lionel Richie und Michael Jackson. Meat Loaf und Joe Cocker. Cher und Eric Clapton. Mehr unterhaltungsmusikalische Prominenz auf einem Haufen geht kaum. Und es gibt einen, der für sie alle tätig werden durfte: Steve Lukather. Für viele gilt er als der beste Saitenhexer des Planeten. Ein exzellenter Sänger und Komponist ist der 55-jährige Amerikaner außerdem, was er nicht nur in seiner Funktion als Mitglied von Toto unter Beweis stellt, sondern auch als Solokünstler. Als solcher ist er momentan unterwegs - mit dem neuen Album "Transition" (VÖ: 18.01.) im Gepäck. Und einem runderneuerten Selbstbewusstsein.

Er redet gerne, an diesem sonnigen Novembernachmittag in einem Berliner Hotel. "Fragen sie mich, was sie wollen", so seine einladenden ersten Worte. Er macht einen gesunden, aufgeräumten Eindruck. Nicht selbstverständlich. "All's Well That Ends Well" (2010) nannte sich sein letztes Studioalbum, dessen Opener "Darkness In My World" sprach Bände. "Ich war damals ziemlich am Boden. Es war eine traurige Platte", erklärt Lukather mit erstaunlicher Offenheit. "Ich fühlte mich innerlich leer und war dabei, mich selbst zu zerstören. Trank zu viel. Ich war vergiftet. Lebte psychisch, physisch und seelisch ungesund." Lukather nimmt kein Blatt vor den Mund, spricht vom Verlust seiner Mutter und seiner Ehe. Seine Vergangenheit ist Teil von ihm, die Platte legte davon Zeugnis ab.

"Transition" heißt der nun erscheinende Nachfolger. "Luke", wie er genannt wird, definiert den Titel als "Übergang vom alten zum neuen Ich". Was jedoch nicht heißt, dass Probleme wie Abhängigkeit und Realitätsflucht verschwunden sind. Sie wurden quasi auf die virtuelle Ebene verschoben. Lukather hat sein Smartphone in der Hand. "Bist du schon mal aus Versehen ohne dieses kleine Ding aus dem Haus gegangen? Ein Gefühl, als ob man sein Kind im Einkaufszentrum verloren hat. Und das Netz ist der Platz geworden, an dem die Leute leben. Es ist ihre kleine Fantasiewelt. Aber hast du wirklich fünftausend Freunde? Es ist schrecklich und auch merkwürdig, dass wir von diesen Sachen so abhängig sind."

Der Song "Creep Motel" verrät, dass auch Lukather persönlich von einer bestimmten Art Netz-Sucht betroffen ist: "Ich schrieb den Text mit Fee Waybill von den Tubes. Wir schauten uns diese Kerle im Internet an, die einfach losziehen und jeden und alles hassen. Das sind einfach widerliche Menschen. Es ist erstaunlich, zu was Leute fähig sind, wenn sie sich hinter einem erfundenen Namen verstecken können." Und ist erst einmal eine Zielscheibe gefunden, wird losgeschossen: "Ja, es gibt peinliche Sachen von mir im Internet, betrunkene Jam-Sessions oder so. Diese Leute lieben es, dann den Baseballschläger auszupacken. 'Ah, schau dir dieses beschissene Lick bei 01:30 an. Und er sieht aus wie ein Arschloch.' Puh. Ookay, sorry, ich hatte einen schlechten Abend. Hat niemand sonst auf der Welt einen schlechten Abend? Nur wurde meiner gefilmt. Überlege mal, es würde alles gefilmt, was du machst. Und ich bin ja nicht einmal so wahnsinnig bekannt. Ich habe Freunde, die das Haus nicht verlassen können. Gerade arbeitete ich mit Ringo Starr. Er handhabt diese Sachen mit einer unglaublichen Würde und Klasse."

Die Beatles fallen immer wieder als Stichwort. Steve Lukather ist Jahrgang 1957, und wie so viele Kollegen seiner Generation vermisst auch er die Dynamik und Originalität in der heutigen Musikwelt. Entsprechend fällt "Transition" aus: "Ich versuche, im Bezug auf Harmonien und Sound Klischees zu vermeiden. Ich bin diese ewigen Powerchord-Gitarrensongs leid, die alle gleich klingen. Dieselben Akkordwechsel, dieselbe Produktionsweise, dieselben Gitarren- und Schlagzeugsounds. Einfach nur laut, laut, laut. Als ich aufwuchs, gab es empfindliche Stellen in der Musik, eine große dynamische Bandbreite, interessante Harmonien und so weiter." Und auch wenn "Transition" durchaus als Rockalbum im herkömmlichen Sinne bezeichnet werden kann, ist es genau diese, von Erfahrung und Können gesteuerte Herangehensweise, welche es zu einem außergewöhnlichen Album macht.

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Mit außergewöhnlichen Alben indes hat Lukather nicht nur als Solokünstler Erfahrung. Als Session-Musiker wirkte er auf über 600 Originalplatten mit, an großen Namen mangelt es nicht. Das bekannteste Werk, auf welchem sein Name zu finden ist, dürfte Michael Jacksons "Thriller" sein. Ahnte er damals bereits, welch immense Rolle das Album spielen würde? "Na, ja", gesteht er. "Michael hatte ja mit 'Off The Wall' eine Platte veröffentlicht, welche zu der Zeit wohl eine der meistverkauften war. Und ich arbeitete mit Quincy Jones an seinen Soloalben. Er sagte: 'Du wirst auf dieser Platte mit dabei sein.' Und als Session-Musiker war das die Platte, auf der man sein musste. Daher wussten wir schon, dass es groß werden würde. Allerdings nicht, dass es so groß werden würde."

Auch seine Toto-Kollegen waren auf "Thriller" mit von der Partie. Womit das Gespräch bei Lukathers Stammband angelangt ist. Diese feiert 2013 ihr 35-jähriges Bestehen. Und sieht sich trotz allen Erfolgs immer wieder Kritik seitens der Musikpresse ausgeliefert. Anlass genug für Lukather, zum Abschluss nochmals Luft abzulassen: "Die Menge verkaufter Alben, auf denen unsere Namen stehen, ist atemberaubend. Und unser Werk ist wichtiger als irgendein Typ vom Rolling Stone Magazin, der mir sagt, wie scheiße ich bin. Verstehe mich nicht falsch: Wenn du die Musik nicht magst, ist das fein. Aber hör auf, mir zu erzählen, dass wir irrelevant sind. Unsere Diskografie beweist, dass das nicht stimmt. Aber diese Sorte zorniger Rockjournalisten stirbt langsam aus. Wie die Dinosaurier. Denn durch das Internet bist du in ständigem Kontakt mit den Fans, und das sind deine wertvollsten Kritiker. Wenn die mir sagen, dass etwas falsch läuft, achte ich darauf. Deren Stimme bedeutet mir etwas, nicht diejenige eines Möchtegern-Musikers, der es nicht geschafft hat und jeden hasst, der spielen kann."

Steve Lukather auf Deutschland-Tournee:

24.03., Hamburg, Markthalle

10.04., Berlin, Lido

15.04., Aschaffenburg, Colos Saal

16.04., Hannover, Musikzentrum

17.04., Bochum, Zeche

19.04., Stuttgart, LKA Longhorn

20.04., München, Backstage Werk

Alexander Diehl

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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