Musik / Backstage

Das Warten hat ein Ende

Eine Vorschau auf die Album-Highlights 2013

Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Sie gehört dazu, wenn man auf ein neues Album eines seiner Lieblingsinterpreten wartet. Aber die Vorfreude kann schnell in Frustration kippen, wenn sicher der Künstler für sein Werk allzu viel Zeit lässt. Doch 2013 erscheinen diverse neue Alben von Superstars, die eine Wartezeit von drei, vier oder mehr Jahren beenden. Gründe für die (Zwangs-)Pausen gibt es zahlreiche: Streit mit der Plattenfirma um die Vermarktungsrechte, für den Moment wichtigere Nebenprojekte einzelner Bandmitglieder, ja sogar die komplett Neuaufnahme von schon längst fertigen Alben gehören dazu. Trotz aller Widrigkeiten: Auf folgende Alben kann man sich 2013 freuen.

Nach ihrem Sabbat-Jahr, das sie sich 2011 genehmigten, sind Tocotronic wieder mit vollem Elan bei der Sache. Mit "Schall & Wahn" (2010) schafften die Hamburger ihr erstes Nummer-Eins-Album in Deutschland und weckten damit natürlich eine große Erwartungshaltung an ihre zehnte Platte "Wie wir leben wollen". Am 25. Januar darf sich jeder selbst ein Bild davon machen, ob die Indie-Rocker das Zeug dazu haben, erneut in ähnliche Chartregionen vorzustoßen.

Nach 25 gemeinsamen musikalischen Jahren verließ 2009 Gitarrist Mick Harvey die Bad Seeds und hinterließ damit Nick Cave als das einzige noch verbleibende Originalmitglied der australischen Formation. Für den Nachfolger von "Dig!!! Lazarus, Dig!!!" (2008) nahmen sich der Dunkeltenor und seine Band fünf Jahre Zeit: Am 15. Februar veröffentlichen die Rocker aus Down Under "Push The Sky Away".

Ihre Zeit reichte in den letzten vier Jahren nur für gelegentliche gemeinsame Live-Jams: Am 22. Februar veröffentlichen Atoms For Peace ihr Debüt "Amok". Aber gut, schneller ging's wohl nicht - wenn man sieht, wer an dieser Supergroup beteiligt ist: Radiohead-Frontmann Thom Yorke, Schlagzeuger Joey Waronker (Beck, R.E.M.) und Red-Hot-Chili-Peppers-Bassisten Flea gehören zum Kern der Band.

"Street King Immortal" entwickelte sich in den letzten Jahren zu einem Running Gag: Ursprünglich wollte 50 Cent seine Platte Mitte 2011 unter die Fans bringen. Doch der Rapper und sein Label waren sich über einige geschäftliche Details uneins, der Release wurde immer weiter nach hinten verschoben. Zwischendurch bot Fifty eine Gratis-EP mit bisher unveröffentlichten Songs zum Download an, die seine Anhänger dankbar annahmen. Am 22. Februar soll sein neues Werk nun endlich das Licht der Welt erblicken.

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Florian Cloud de Bounevialle O'Malley Armstrong, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Dido, mag sich augenscheinlich viel Zeit für das neue Album "Girl Who Got Away" gelassen haben, doch seit dem Release ihrer letzten Platte "Safe Trip Home" (2008) war die poprockige Britin nicht untätig. So nahm sie für die Kinofilme "Sex & The City 2" und "127 Hours" (beide 2010) jeweils einen exklusiven Song auf. Ihr neues Album "Girl Who Got Away" wird am 1. März überall erhältlich sein.

Sie waren mit "Wonderful Life" die absoluten Senkrechtstarter 2010, ihr Album "Happiness" räumte in Deutschland Platin ab, und ihre Konzerte sind binnen Stunden ausverkauft. Am 8. März möchte das britische Elektro- und Wave-Popduo Hurts den Beweis antreten, dass auch 2013 mit ihnen zu rechnen und ihr Erfolg keine Eintagsfliege war.

2012 war ein Ausnahmejahr. Warum? Weil Bon Jovi ausnahmsweise einmal nicht auf Tour waren. Dass die Herren seit vier Jahren auch keine Musik veröffentlichten, "The Circle" erschien bereits 2009, ist ein doppelter Grund zur Freude bei allen Fans der Rocker. Passend zum neuen Album "What About Now", das im März herauskommen soll, geht die Band auf großangelegte Stadiontour.

Es wäre anzunehmen, dass Musiker in weltweit erfolgreichen Bands mit ihrer Hauptgruppe eigentlich schon komplett ausgelastet wären. Nach dem Release von "Sounds Of The Universe" (2009) ging es für Depeche Mode erst einmal auf ausgedehnte Welttour. Doch anstatt sich nach der anstrengenden Reise auszuruhen, unterstützte Sänger Dave Gahan mit seiner Stimme die Soulsavers auf deren Album "The Light The Dead See" (2012). Im gleichen Jahr klingelte der 1981 bei Depeche Mode ausgestiegene Vince Clarke (Erasure) bei Martin L. Gore durch, um mit ihm das Techno-Projekt VCMG aus der Taufe zu heben: Heraus kam das hochgelobte Album "Ssss" (2012). Im März sind aber wieder Depeche Mode an der Reihe, denn dann soll ihre noch unbetitelte neue Platte in den Läden stehen.

Josh Homme lässt sich gerne etwas länger für seine Kunst Zeit: Den Frontmann der Desert-Rock-Formation Queens Of The Stone Age treibt die Perfektion an. Dass letzte Werk "Era Vulgaris" erschien vor sechs Jahren, seitdem hat sich wieder einiges im Bandlager getan. Foo-Fighters-Chef Dave Grohl nimmt wieder den Platz hinter dem Schlagzeug ein, der 2004 aus der Band geworfene Bassist Nick Oliveri kehrt zurück, und als Gastmusiker gesellt sich Trent Reznor der Nine Inch Nails zum Kollektiv. Das Namedropping verspricht für 2013 Großes.

Cleverer Marketing Gag oder doch Opfer eines Raubüberfalls? Eigentlich wollte Black-Eyed-Peas-Rapper will.i.am sein neues Album "#willpower" schon 2012 veröffentlichen. Doch angeblich wurde die schon fertige Platte von einem Dieb aus will.i.ams Auto geklaut, der Schuft soll seitdem immer wieder neue Tracks ins Netz stellen. Erbost ob dieser Dreistigkeit schrieb der Musiker alle Songs nochmal neu, das finale Werk soll im Laufe des Jahres folgen.

Nicht erst seit dem Soundtrack zum Kinofilm "Die Tribute von Panem - The Hunger Games" (2012) ist das kanadische Indie-Septett Arcade Fire kein Geheimtipp mehr. Die Formation erspielte sich mit ihren letzten Alben "Neon Bible" (2007) und "The Suburbs" (2010) eine treue Fangemeinde, ihre Werke landeten in den USA und Kanada jeweils auf dem ersten Platz. Klar, dass die Erwartungen an ihre noch unbetitelte Platte enorm hoch sind - besonders nach der Bekanntgabe, dass LCD-Soundsystem-Frontmann James Murphy am Album mitarbeitet. Liebhaber der Band müssen sich leider noch etwas gedulden, erst Ende 2013 veröffentlichen Arcade Fire neue Musik.

Wird er nun wieder dabei sein oder am Ende dann doch nicht? Robbie Williams lässt weiterhin die Frage offen, ob er auf dem für 2013 angekündigten neuen Take-That-Album singen wird. Das gemeinsame Reunion-Album "Progress" (2010) brachte dem Quintett mehr als nur einen Achtungserfolg ein, seine Anhängerschaft würde sich über eine weitere Zusammenarbeit der ehemaligen Boygroup sicherlich freuen. Bis es so weit ist, läuft die Gerüchteküche weiter heiß.

Popstars tendieren gerne dazu, sich neben ihrer Tätigkeit als Musiker auch noch in anderen Bereichen auszutoben. Mariah Careys Schauspielkarriere nimmt langsam an Fahrt auf, und auch ihre Arbeit als Jurorin bei "American Idol" scheint die 42-jährige Sängerin nicht davon abzuhalten, 2013 ihr bereits 14. Studioalbum zu veröffentlichen. Wann das unbetitelte Werk erscheinen wird, steht allerdings noch nicht fest. Derzeit steht sie noch für den Film "The Butler" vor der Kamera, parallel dazu sitzt sie noch auf dem Jurystuhl der Castingshow, die ab Mitte Januar in den USA ausgestrahlt wird.

2012 machte Katy Perry mehr Schlagzeilen mit ihrem turbulenten Privatleben als mit ihrer Musik, die Scheidung von Ex-Ehemann Russell Brand und die Beziehung mit John Mayer überschatteten selbst die Gehversuche ihres Spielfilms "Part Of Me". Das soll sich 2013 ändern, im Sommer soll ein neues Album des kalifornischen Superstars das Licht der Welt erblicken. Name und ein konkretes Datum fehlen zwar, dafür ließ die Sängerin aber verlauten, dass ihre Musik dunkler und bedrohlicher werden soll. Man darf gespannt sein.

Damit ihre Fans sie nicht vergessen mögen, veröffentlichten die Indie-Rocker Placebo im Herbst 2012 die EP "B3", die sie während der Aufnahmen zu ihrem neuen Album einspielten. Es war das erste musikalische Lebenszeichen der Briten seit drei Jahren, ihr letztes Album "Battle For The Sun" erschien bereits 2009. Wann die noch unbetitelte Platte erscheinen wird, ist noch offen.

2013 steht eindeutig im Fokus internationaler Musik, deutsche Interpreten sucht man dieses Jahr mit der Lupe. Vorhang auf für die Jungspunde von Tokio Hotel: Deren letztes Album "Humanoid" hat bereits vier Jahre auf dem Buckel. Ab Anfang Januar sitzen die Kaulitz-Brüder Bill und Tom zusammen mit Dieter Bohlen und Culcha-Candela-Sänger Mateo in der Jury bei "Deutschland sucht den Superstar", ein neues Album der ostdeutschen Formation müsste aber nur noch eine Frage der Zeit sein.

Auf eines können sich Pearl Jam immer verlassen: auf ihre Fans. Die Alternative-Rockband mag zwar dem Mainstream weitestgehend unbekannt bleiben, ihre Albenverkäufe gehen aber mit jedem Release durch die Decke. Ihre letzte Platte "Backspacer" (2009) stieg in Deutschland auf Platz drei ein, die dazugehörige Tour war binnen Stunden ausverkauft. Das Quintett veröffentlicht 2013 das neunte Album, noch fehlen Angaben zum Termin und Namen des Werks.

Lange Zeit sah es so aus, als würde Kings-Of-Leon-Sänger Caleb Followill ausgebrannt den Stecker ziehen. 2011 verließ er während eines laufenden Konzertes plötzlich die Bühne und kam nicht mehr zurück. Die Band legte daraufhin eine Pause hin, nur um ein Jahr später zu verkünden, dass sie bereits an neuen Songs zum Nachfolger ihrer Platte "Come Around Sundown" (2009) sitze. Totgeglaubte leben eben länger, als Beweis steht das noch unbetitelte neue Album, dass irgendwann 2013 veröffentlicht werden soll.

Erst zwei Alben auf dem Konto, aber bereits ein ikonisches Phänomen: Im Gegensatz zu vielen Musikerkollegen gönnt sich Lady Gaga scheinbar keine Pausen und übertrifft sich mit ihrer medialen Omnipräsenz immer wieder selbst. Als die exzentrische Sängerin sich den Plattentitel ihres für 2013 angekündigten neuen Werks als Tattoo stechen ließ, ging das Foto um die ganze Welt, "ARTPOP" könnte die Verkaufszahlen ihres zweiten Albums "Born This Way" (2011 - insgesamt sechs Millionen verkaufter Einheiten) wahrscheinlich locker übertrumpfen. Ob es an ihr Debüt "The Fame" (2009) herankommt, wird sich dann zeigen, ihre Bestmarke von 15 Millionen muss auch die extravagante Sängerin erstmal brechen können. Fest steht: Auch 2013 wird man nicht an Lady Gaga vorbeikommen.

Ben Hiltrop

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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