Die Tristesse eines grauen Tages. Dunkle Gassen, unterschwellige Gewalt in den Straßen, die Sirene eines Krankenwagens. Die Gleichgültigkeit der Leute. Das Gefühl von Niederlagen - nicht nur in der Liebe. Und der Wunsch, diese verdammte (Klein-)Stadt zu verlassen. Jake Buggs Er- und Bekenntnisse, sie könnten die eines x-beliebigen britischen Teenagers sein. Das Nottingham, von dem der 18-Jährige erzählt, es könnte sich überall befinden. Dylan, Beatles, Oasis, Arctic Monkeys: Die Songs seines selbstbetitelten Debütalbums könnten kaum deutlicher in ihrer musikalischen Ehrerbietung sein. Aber wen kümmert das? Jake Bugg sicherlich nicht.
Er tut einfach, was er kann: Jake Bugg nimmt eine Gitarre in die Hand, erzählt ungefiltert aus seinem Leben. Beschreibt Gefühle der Verlassenheit, ohne etwas aufzubauschen. Beklagt die vergeblichen Mühen der Liebe, ohne wehleidig zu wirken. Singt das hohe Lied auf die Freundschaft, ohne in falsches Pathos zu verfallen. Jake Bugg verkriecht sich nicht ins stille (Songwriter-)Kämmerlein, um sich selbst zu bemitleiden. Er geht raus, mit aufrechter Brust und leicht grimmig zur Schau gestelltem Selbstbewusstsein und präsentiert seine Songs jedem, der sie hören mag: ein Musiker von der Straße, für die Straßen.
Es ist dieses Gefühl von Freiheit und Ungebundenheit, die an einen jungen Songwriter erinnern, der sein zweites Album nicht umsonst "The Freewheelin' Bob Dylan" nannte. Und natürlich ist man zunächst perplex, wenn Bugg im Opener "Lightning Bolt zu "singen" beginnt und näselt, wie es Dylan in seinen frühen Jahren tat. Doch dann setzt das Schlagzeug ein, eine zusätzliche E-Gitarre darf die Gesangsmelodie im Refrain aufgreifen - und schon entzieht sich der Song (vermeintlich) zu einfachen Einordnungen und Klischees. Und um einen letzten Dylan-Vergleich zu bemühen: akustischer Folk oder elektrischer Rock? Die Frage, die einst dessen Publikum entzweite, muss Bugg nicht beantworten.
Denn er macht einfach, mal solo, mal in kleiner Bandbesetzung. Mal mit Mundharmonika, einmal sogar mit Streichern. Er spielt zärtlichen Simon-And-Garfunkel-Folk ("Someone Told Me") und lässigen Oasis-Rock ("Ballad Of Mr Jones"), begeistert mit The-Verve-Emphase ("Slide") oder Johnny-Cash-Drive ("Taste It"). Vor allem aber hat er stets die zu seiner musikalischen Ausdrucksform passenden, zeit- und schnörkellosen Melodien: Nicht nur die Sing-a-long-Single "Two Fingers" ist ein Ohrwurm allererster Güte.
Es kommt also keineswegs von ungefähr, dass Bugg in Großbritannien bereits als kommender Superstar gehandelt wird, sein dort bereits Ende Oktober veröffentlichtes Album auf Platz eins der Charts schoss. Und ein Ziel hat Jake Bugg damit auch erreicht: Er ist - bis auf Weiteres - raus aus Nottingham.
Jake Bugg auf Deutschland-Tournee:
02.03., Frankfurt, Zoom
07.03., Köln, Bürgerhaus Stollwerck
18.03., Berlin, Großer Postbahnhof
19.03., München, Strom
06.04., Hamburg, Grünspan
Stefan Weber
| Audio CD | |
|---|---|
| Bewertung | ausgezeichnet |
| CD-Titel | Jake Bugg |
| Bandname/Interpret | Jake Bugg |
| Genre | Rock/Pop |
| Genre | Songwriter/Britpop |
| Erhältlich ab | 25.01.2013 |
| Label | Mercury - UID |
| Vertrieb | Universal |
| Laufzeit | 39:17 |
| EAN Code | 0602537128778 |



