Musik / CD

Biffy Clyro: OppositesNicht für jeden, aber für jeden etwas

Es ist ein leidiges Thema in der Musik: Darf sich eine über die Jahre liebgewonnene Band weiterentwickeln? Und wenn ja, wie weit darf sie dabei gehen, ohne ihre alten Fans vor den Kopf zu stoßen? Die schottischen Artrocker Biffy Clyro entwuchsen spätestens mit ihrer Erfolgsplatte "Only Revolutions" (2009) dem Geheimtippstatus, den sie sich durch ihre ersten Werke "Blackened Sky" (2002) und "Infinity Land" (2004) selbst erarbeiteten. Mit "Opposites" holen die Highlander nun sowohl Prog-Fans der ersten Stunde als auch Pop-Hörer jüngeren Datums ab. Dass der Spagat zwischen künstlerischen und kommerziellen Ansprüchen gelingt, verdankt das Trio erneut seinem Songwriter-Talent.

Obwohl sich Biffy Clyro in den letzten Jahren dem Mainstream öffneten, ist der Einstieg in ihre Klangwelt alles andere als einfach. Die strukturelle Vielschichtigkeit von "Opposites" könnte auf ungeübte Ohren über weite Strecken wie ein zusammenhangloses Ganzes wirken. Und, ja: Einzelne Songfragmente hielten sich wohl nur gerade zufällig zur gleichen Zeit am gleichen Ort auf und wurden lediglich aus Gründen der Artenverwandtschaft in ein gemeinsames Gehege gepfercht.

Die erste Single-Auskopplung "Black Chandelier" spielt mit poppig verträumten Rock-Arrangements, irritiert aber plötzlich durch einen kurzen metallischen Breakdown im Mittelteil, der nicht zur restlichen DNA des Songs passen mag. Das balladeske "Skylight" wäre gerne ein zweites "Behind Blue Eyes", naschte aber mehr aus dem Futtertrog der unsäglichen Limp-Bizkit-Coverversion (2003) denn vom The-Who-Original (1971) und überlädt sich selbst mit elektronischem Ballast. Und die gefühlvollen "Opposite" und "Biblical" wurden mit ausuferndem Pompös-Chor und Streicher-Kitsch bis zur Unkenntlichkeit im Brutkasten totproduziert.

Was die Schotten aber bei den übrigen Liedern an gut durchdachten Ideen abfeuern, tröstet über die vereinzelte phänotypische Pop-Überzüchtung gekonnt hinweg: Das mit clever akzentuierten Mariachi-Trompeten versehene "Spanish Radio" sorgt für feurige Würze, und ein melodieführender Dudelsack lockert das trockene "Stingin' Belle" mit nordbritischer Folklore auf. Auch das rockig groovende "Modern Magic Formula" profitiert von vielen kleinen Details im Soundkleid, die sich erst beim wiederholten Anhören offenbaren. Und die opulenten Refrains von "Victory Over The Sun" und "Trumpet Or Tap" weisen hymnischen Live-Charakter auf.

Dass "Opposites" nicht unter seiner eigenen Last zerbricht, liegt an seinen drei Schöpfern. Biffy Clyro fanden die genau richtige Dosierung: Zwischen zu viel von sich selbst wollen und dem Hörer zu viel zumuten balanciert das Trio gekonnt auf dem Mittelweg.

Ben Hiltrop

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelOpposites
Bandname/InterpretBiffy Clyro
GenreRock/Pop
GenreProg-Rock/Pop
Erhältlich ab25.01.2013
LabelWarner
VertriebWarner
Laufzeit56:25
EAN Code0825646550395
Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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