Pop kann auch schmerzhaft sein. Wenn Dirty-Projectors-Bandleader David Longstreth Orchester-Pop-Ohrwürmer komponiert, sucht man Langeweile vergeblich: Auf "Swing Lo Magellan" krachen 80er-Jahre-Hardcore und afrikanische Gitarrenmusik aufeinander, treffen opulente Orchester-Arrangements auf gewöhnungsbedürftig schräge Gesangschöre. Longstreth, der nicht nur Absolvent der Universtiät von Yale ist, sondern auch schon mit Talking-Heads-Chef David Byrne und Björk kooperierte, nennt seinen musikalischen Experimentier-Baukasten schlicht eine Sammlung von Momentaufnahmen.
Und diese Momente verblassen meist nach wenigen Sekunden, um wieder Platz für neue Momente zu schaffen, die der Umtriebigkeit des Orchestermeisters und Bandchefs Tribut zollen. Es ist ein Pop-Songwriting, das erschafft und gleichzeitig zerstört - möglicherweise, um die Vergänglichkeit aller Kunst zu unterstreichen. Aber Widersprüche scheinen das Grundgerüst von Longstreths Schaffens zu sein, was vielleicht auch erklärt, warum er im Jahr 2010 die Einnahmen aus der "Mount Wittenberg Orca EP" an "National Geographic" überwies, um die Erhaltung einiger bedrohter Riffe in den Ozeanen der Erde zu unterstützen.
So verwirrend ist sein Songmaterial nach ein paar Durchgängen dann aber doch gar nicht. Rockige Riff-Gitarren wie in "Offspring Are Blank" oder hymnische Intros wie das von "Maybe That Was It" können dem Hörer durchaus vertraut vorkommen, werden dann aber wieder zielsicher dekonstruiert, ohne Scheu davor, in waghalsige Schräglage zu geraten. So ist "Swing Lo Magellan" eine mutige Pop-Platte, die gezielt am Mainstream vorbei komponiert wurde - und damit für experimentierfreudige Zuhörer sicherlich lohnenswert.
Klaas Tigchelaar
| Audio CD | |
|---|---|
| Bewertung | überzeugend |
| CD-Titel | Swing Lo Magellan |
| Bandname/Interpret | Dirty Projectors |
| Genre | Rock/Pop |
| Genre | Pop |
| Erhältlich ab | 06.07.2012 |
| Label | Domino |
| Vertrieb | GoodToGo |
| Laufzeit | 41:57 |
| EAN Code | 5034202027225 |



